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Ich weiß, was ich tun sollte. Warum tue ich es trotzdem nicht?

Ich weiß, was ich tun sollte. Warum tue ich es trotzdem nicht?

Von Maria Ravariu · Life & Business Coach · B.Sc. Psychologie

Du weißt eigentlich, was du tun solltest , schiebst es aber trotzdem auf?

Damit bist du bei einem interessanten psychologischen Phänomen: Zwischen Wissen und Handeln liegt manchmal mehr als fehlende Motivation oder Disziplin.

Angst vor einer falschen Entscheidung, Perfektionismus, Unsicherheit oder widersprüchliche Bedürfnisse können dazu führen, dass wir nicht handeln, obwohl der nächste Schritt längst klar ist.

Ein Beispiel aus meiner Coachingpraxis zeigt, wie das aussehen kann.

Wenn du weißt, was zu tun ist, aber trotzdem nicht handelst

„Eigentlich weiß ich genau, was ich machen müsste.“

Ein Klient sagte diesen Satz zu mir, nachdem wir einige Minuten über seine berufliche Situation gesprochen hatten.

Er wollte seinen Job wechseln. Nicht erst seit gestern. Seit Monaten schaute er sich Stellen an, sprach mit Menschen aus seiner Branche und dachte darüber nach, welche Richtung besser zu ihm passen könnte. Er hatte sogar schon interessante Stellen gefunden.

Beworben hatte er sich auf keine einzige.

„Was hält dich davon ab?“, fragte ich ihn.

Er dachte kurz nach.

„Ich weiß es nicht. Eigentlich nichts.“

Wenn „eigentlich nichts“ ziemlich viel bedeutet

Wir hätten an dieser Stelle einen Plan machen können. Bis Freitag drei Bewerbungen. Lebenslauf überarbeiten. Zwei Kontakte anschreiben.

Das wäre konkret gewesen.

Nur hätte es sein eigentliches Problem wahrscheinlich nicht gelöst.

Denn er wusste bereits, was er tun konnte.

Also blieben wir zunächst bei dem Moment, an dem er immer wieder stoppte.

Ich fragte ihn, was passiert, wenn er eine interessante Stelle sieht und kurz davor ist, sich zu bewerben.

„Dann fange ich an nachzudenken.“

„Worüber?“

„Ob das wirklich die richtige Entscheidung ist.“

„Und wenn es nicht die richtige ist?“

Sein Blick wanderte zum Fenster. Für einen Moment sagte er nichts. Seine Finger strichen langsam über den Rand der Kaffeetasse.

„Dann habe ich vielleicht etwas aufgegeben, das eigentlich doch ganz okay war. Ich meine.. es geht auch so wie es ist“

Da wurde es interessanter. Es ging plötzlich nicht mehr nur um eine Bewerbung.

Es ging um Sicherheit.

Warum tue ich nicht, was ich eigentlich will?

Nicht ins Handeln zu kommen bedeutet nicht automatisch, undiszipliniert oder unmotiviert zu sein. Manchmal vermeiden wir nicht die Handlung selbst, sondern das, was diese Handlung in uns auslöst.

Der Jobwechsel kann Entwicklung bedeuten, aber auch Kontrollverlust.

Die Selbstständigkeit kann Freiheit bedeuten, aber auch die Möglichkeit zu scheitern.

Eine Führungsposition kann beruflichen Aufstieg bedeuten, aber auch bedeuten, Verantwortung für andere übernehmen zu müssen.

Eine wichtige Investition kann Chancen eröffnen, aber auch die Angst auslösen, Geld zu verlieren.

Dann können zwei Bedürfnisse gleichzeitig aktiv sein:

Ein Teil von mir möchte vorwärts. Ein anderer möchte Sicherheit.

Von außen sieht das möglicherweise wie Prokrastination aus.

Innerlich kann jedoch ein Konflikt stattfinden.

Was steckt psychologisch hinter dem Aufschieben?

Aufschieben kann unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb hilft es wenig, jede Form von Prokrastination einfach mit mangelnder Disziplin zu erklären.

1. Angst vor einer falschen Entscheidung

Je wichtiger eine Entscheidung erscheint, desto größer kann der Wunsch werden, vorher absolute Sicherheit zu haben.

Das Problem: Bei vielen beruflichen und persönlichen Entscheidungen gibt es diese Sicherheit nicht.

2. Perfektionismus

Manchmal lautet die innere Bedingung nicht:

„Ich möchte eine gute Entscheidung treffen.“

Sondern:

„Ich darf erst handeln, wenn ich sicher bin, keinen Fehler zu machen.“

Dadurch kann Vorbereitung immer länger dauern, während der eigentliche Schritt ausbleibt.

3. Angst vor dem Scheitern

Wer handelt, kann scheitern.

Solange eine Idee nur eine Idee bleibt, muss sie sich noch nicht an der Realität beweisen.

Das kann erklären, warum Menschen selbst wichtige Projekte aufschieben, obwohl sie sich deren Umsetzung eigentlich wünschen.

4. Widersprüchliche Bedürfnisse

Veränderung bedeutet selten ausschließlich Gewinn.

Vielleicht möchtest du mehr Freiheit und gleichzeitig finanzielle Sicherheit.

Mehr Verantwortung und gleichzeitig weniger Druck.

Selbstständigkeit und gleichzeitig Planbarkeit.

Die entscheidende Frage ist deshalb manchmal nicht nur:

„Was will ich?“

Sondern:

„Welche unterschiedlichen Bedürfnisse versuche ich gleichzeitig zu erfüllen?“

Warum mehr Motivation nicht immer die Lösung ist

Zurück zu meinem Klienten.

„Was müsste passieren, damit du dich sicher genug fühlst?“, fragte ich ihn.

Seine erste Antwort:

„Ich müsste wissen, dass der andere Job wirklich besser ist.“

„Und wann könntest du das mit Sicherheit wissen?“

Er lachte.

„Eigentlich erst, wenn ich dort arbeite.“

Er schwieg kurz.

„Im Gespräch kann mir ja jeder erzählen, wie toll das Team ist und wie viel Entwicklung möglich ist. Aber wie es wirklich ist, merke ich wahrscheinlich erst nach ein paar Wochen.“

Er sah mich an.

„Und dann ist es zu spät. Dann habe ich meinen jetzigen Job gekündigt.“

Nach einem Moment fügte er hinzu:

„Der ist zwar nicht das, was ich langfristig will. Aber ich weiß wenigstens, was ich habe.“

Da wurde etwas Entscheidendes sichtbar:

Er wartete auf eine Sicherheit, die vor der Entscheidung gar nicht entstehen konnte.

Das bedeutete keine Sekunde, dass seine Bedenken irrational waren. Ein Jobwechsel hat reale Konsequenzen. Gehalt, Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeitsbedingungen und finanzielle Sicherheit gehören geprüft.

Die interessantere Frage ist:

Wo endet sinnvolle Prüfung und wo beginnt der Versuch, jedes Risiko auszuschließen?

Wie Coaching helfen kann, wenn du nicht ins Handeln kommst

Coaching bedeutet in einer solchen Situation nicht, dass jemand anderes die Entscheidung für dich trifft.

Ich hätte meinem Klienten sagen können, was ich an seiner Stelle tun würde.

Aber dann hätten wir meine Entscheidungskompetenz genutzt..nicht seine.

Stattdessen untersuchten wir:

  • Was möchte er tatsächlich?
  • Was ist ihm bei seiner beruflichen Zukunft wichtig?
  • Welche Befürchtungen beruhen auf konkreten Risiken?
  • Welche entstehen vor allem aus Unsicherheit?
  • Was kann er beeinflussen?
  • Welches Restrisiko müsste er akzeptieren, wenn er Veränderung möchte?

Aus der großen Frage

„Soll ich meinen Job kündigen?“

wurde dadurch eine wesentlich konkretere:

„Was brauche ich, um meinen nächsten Schritt verantwortungsvoll gehen zu können?“

Und dieser nächste Schritt war viel kleiner als eine Kündigung.

Eine Bewerbung.

Mehr nicht.

Eine Bewerbung verpflichtete ihn zu nichts.

Aber sie brachte ihn aus monatelangem Nachdenken wieder ins Handeln.

Wie komme ich ins Handeln, wenn ich eigentlich weiß, was zu tun ist?

Wenn du selbst gerade an einem Punkt festhängst, musst du dich nicht sofort stärker disziplinieren.

Stell dir stattdessen einige andere Fragen:

Was würde passieren, wenn ich diesen Schritt tatsächlich gehe?

Was befürchte ich dabei?

Was könnte ich verlieren?

Welche Sicherheit versuche ich herzustellen, bevor ich handle?

Kann ich diese Sicherheit überhaupt bekommen?

Was wäre der kleinste nächste Schritt, ohne dass ich bereits die gesamte Entscheidung treffen muss?

Manchmal brauchst du tatsächlich mehr Informationen.

Manchmal einen besseren Plan.

Und manchmal weißt du längst genug.

Dann besteht die eigentliche Arbeit darin zu verstehen, was zwischen Wissen und Handeln passiert.

Fazit: Zwischen Wissen und Handeln liegt manchmal ein innerer Konflikt

Wenn du weißt, was du tun möchtest, es aber trotzdem nicht umsetzt, bedeutet das nicht automatisch, dass dir Motivation oder Disziplin fehlen.

Hinter dem Aufschieben können unter anderem Unsicherheit, Perfektionismus, Angst vor dem Scheitern oder widersprüchliche Bedürfnisse stehen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht immer:

„Wie zwinge ich mich endlich dazu?“

Manchmal ist eine andere Frage hilfreicher:

„Was hält mich gerade davon ab, einen Schritt zu gehen, den ich eigentlich gehen möchte?“

Häufige Fragen

Warum mache ich nicht das, was ich mir vornehme?

Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben. Neben fehlender Motivation können beispielsweise Unsicherheit, Perfektionismus, Angst vor Fehlern, widersprüchliche Ziele oder die Konsequenzen einer Veränderung eine Rolle spielen. Entscheidend ist deshalb, die individuelle Ursache zu verstehen.

Warum schiebe ich Dinge auf, obwohl sie mir wichtig sind?

Gerade wichtige Aufgaben können starke Emotionen auslösen. Je größer die Bedeutung einer Entscheidung oder eines Projekts ist, desto stärker können auch Unsicherheit, Leistungsdruck oder Angst vor dem Scheitern werden. Aufschieben kann dann kurzfristig entlastend wirken.

Wie komme ich endlich ins Handeln?

Statt ausschließlich auf Motivation zu setzen, kann es helfen, das gewünschte Ziel, mögliche innere Hindernisse und den nächsten konkreten Schritt getrennt zu betrachten. Der nächste Schritt sollte klein genug sein, dass du ihn tatsächlich umsetzen kannst, ohne bereits das gesamte Problem lösen zu müssen.

Kann Coaching bei Prokrastination und Entscheidungsproblemen helfen?

Coaching kann dabei unterstützen, Ziele zu klären, eigene Denk- und Verhaltensmuster zu reflektieren, Hindernisse zu erkennen und selbstbestimmte nächste Schritte zu entwickeln. Ob Coaching passend ist, hängt vom individuellen Anliegen ab.


Hinweis: Das Fallbeispiel wurde zum Schutz der Privatsphäre anonymisiert und in einzelnen Details verändert.

Wenn du selbst gerade an diesem Punkt stehst

Vielleicht weißt du bereits ziemlich genau, was du verändern möchtest. Und trotzdem kommst du an einem bestimmten Punkt immer wieder ins Stocken.

Im Coaching können wir gemeinsam genauer hinschauen: Was hält dich zurück? Welche inneren Konflikte oder Unsicherheiten spielen eine Rolle? Und was brauchst du, um deinen nächsten Schritt tatsächlich zu gehen?

Dabei geht es um Klarheit schaffen, neue Perspektiven entwickeln und deinen eigenen Weg in die Umsetzung finden.

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