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Du schiebst ein schwieriges Mitarbeitergespräch auf? Was dich zurückhalten kann

Von Maria Ravariu · Life & Business Coach · B.Sc. Psychologie

Du weißt eigentlich schon seit Tagen, dass du das Gespräch führen solltest.

Vielleicht kommt ein Mitarbeiter regelmäßig zu spät. Die vereinbarten Ergebnisse stimmen nicht. Aufgaben bleiben liegen. Oder sein Verhalten sorgt zunehmend für Unruhe im Team.

Du hast es bemerkt.

Du hast darüber nachgedacht.

Vielleicht hast du sogar schon überlegt, was du sagen möchtest.

Und trotzdem führst du das Gespräch nicht.

Diese Woche ist sowieso schon so voll.

Vielleicht beobachte ich die Situation noch ein bisschen.

Vielleicht war es nur eine Ausnahme.

Ich möchte nicht überreagieren.

Also wartest du.

Ein paar Tage später passiert wieder etwas.

Jetzt weißt du erst recht, dass du das Thema ansprechen solltest.

Und trotzdem fühlt sich der richtige Moment irgendwie nie richtig an.

Wenn du ein schwieriges Mitarbeitergespräch aufschiebst, liegt das nicht automatisch daran, dass du nicht weißt, wie man ein solches Gespräch führt.

Manchmal weißt du ziemlich genau, was zu tun wäre.

Das Schwierige beginnt an einer anderen Stelle.

Warum wir schwierige Mitarbeitergespräche aufschieben

Unangenehme Gespräche haben eine besondere Eigenschaft:

Solange wir sie nicht führen, müssen wir auch nicht mit der Reaktion des anderen umgehen.

Keine Rechtfertigung.

Keine Enttäuschung.

Kein Ärger.

Keine angespannte Stimmung am nächsten Morgen.

Kurzfristig kann Aufschieben deshalb Erleichterung bringen.

Das Problem ist nur: Das eigentliche Thema verschwindet dadurch meistens nicht.

Vielleicht ärgerst du dich jedes Mal ein bisschen mehr.

Andere Mitarbeiter bemerken die Situation ebenfalls.

Du übernimmst Aufgaben, die eigentlich jemand anderes erledigen müsste.

Oder du wirst im Alltag zunehmend gereizter gegenüber der betreffenden Person, obwohl du das Problem noch nie klar angesprochen hast.

Was zunächst wie Konfliktvermeidung aussieht, kann dadurch irgendwann selbst zum Konflikt beitragen.

„Eigentlich müsste ich mit ihm sprechen.“

Coaching-Fallbeispiel · anonymisiert

Ein Klient brachte im Coaching eine Situation mit, die zunächst ziemlich eindeutig klang.

Einer seiner Mitarbeiter hielt wiederholt Vereinbarungen nicht ein. Mein Klient hatte sich bereits mehrmals vorgenommen, das Thema anzusprechen.

„Beim nächsten Mal spreche ich es an“, hatte er sich gesagt.

Dann kam das nächste Mal.

Und er sagte wieder nichts.

Als wir darüber sprachen, erklärte er zunächst sehr sachlich, warum der Zeitpunkt bisher ungünstig gewesen sei. Im Team war viel los, ein wichtiges Projekt stand an und der Mitarbeiter hatte privat gerade einiges zu bewältigen.

Alles nachvollziehbare Gründe.

„Was passiert bei dir, wenn du dir vorstellst, das Gespräch tatsächlich zu führen?“, fragte ich ihn.

Er blickte einen Moment zur Seite.

„Ich denke sofort, dass er mich danach vielleicht anders sieht.“

„Anders inwiefern?“

„Vielleicht denkt er, dass ich mich jetzt wichtigmache, nur weil ich sein Vorgesetzter bin.“

„Und was wäre daran für dich schwierig?“

Er überlegte.

„Wir haben vorher auf Augenhöhe zusammengearbeitet. Ich möchte nicht, dass er denkt, ich spiele jetzt den Chef.“

„Was wird dir gerade darüber bewusst, was dich bisher davon abgehalten hat, das Gespräch zu führen?“

Nach einer kurzen Pause sagte er:

„Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, dass jetzt der falsche Zeitpunkt ist. Ich will diese Beziehung nicht verändern.“

Damit hatte sich sein Blick auf die Situation verändert.

Das eigentliche Problem war nicht mehr nur die Frage, wie er das Mitarbeitergespräch führen sollte.

Er erkannte, dass es ihm schwerfiel, eine neue Rolle einzunehmen, in der er weiterhin eine gute Beziehung zu seinem Mitarbeiter haben und gleichzeitig Erwartungen formulieren und Grenzen setzen musste.

Von dort aus konnten wir uns mit einer anderen Frage beschäftigen:

Wie möchte ich als Führungskraft mit meinen Mitarbeitern umgehen, auch wenn ich etwas Unangenehmes ansprechen muss?

Manchmal ist nicht das Gespräch das eigentliche Problem

Besonders wenn du neu in einer Führungsrolle bist, kann sich deine Beziehung zu anderen Menschen verändern.

Vielleicht warst du bis vor Kurzem noch Teil des Teams.

Ihr habt zusammen Mittag gegessen, euch über Entscheidungen der Führungsebene beschwert und euch gegenseitig unterstützt.

Jetzt bist du plötzlich die Person, die Erwartungen formulieren, Leistung ansprechen und manchmal auch Nein sagen muss.

Das kann einen inneren Konflikt auslösen.

Du möchtest eine gute Beziehung zu deinen Mitarbeitern haben.

Gleichzeitig trägst du Verantwortung für Ergebnisse, Zusammenarbeit und Standards.

Beides gehört zu Führung.

Aber manchmal fühlt es sich an, als müsstest du dich entscheiden:

Bin ich verständnisvoll oder konsequent?

Bin ich nahbar oder autoritär?

Bin ich beliebt oder eine gute Führungskraft?

Wenn du Führung innerlich als Wahl zwischen diesen Extremen erlebst, können schwierige Gespräche schnell viel größer werden, als sie eigentlich sind.

Was genau befürchtest du?

Stell dir vor, du müsstest das Gespräch morgen um 10 Uhr führen.

Der Termin steht bereits im Kalender.

Du kannst ihn nicht mehr verschieben.

Was wäre daran für dich am unangenehmsten?

Vielleicht denkst du:

Was, wenn er sofort in die Defensive geht?

Was, wenn sie anfängt zu weinen?

Was, wenn er mir widerspricht und ich keine gute Antwort habe?

Was, wenn danach die Stimmung zwischen uns komisch ist?

Was, wenn sie sich über mich beschwert?

Oder:

Was, wenn ich zu hart bin?

Diese Gedanken sind interessant, weil sie zeigen, dass wir häufig nicht das Gespräch selbst vermeiden.

Wir vermeiden eine mögliche Konsequenz des Gesprächs.

Und solange diese Befürchtung nicht sichtbar wird, kann es so aussehen, als bräuchtest du nur noch die richtige Gesprächstechnik.

Gute Vorbereitung kann helfen. Zu viel Vorbereitung kann auch Vermeidung sein.

Natürlich solltest du ein schwieriges Mitarbeitergespräch nicht völlig unvorbereitet führen.

Du solltest wissen, was passiert ist.

Du solltest konkrete Beispiele nennen können.

Du solltest dir überlegen, welches Verhalten oder Ergebnis du künftig erwartest.

Und du solltest deinem Gegenüber Raum geben, seine Perspektive darzustellen.

Aber Vorbereitung hat irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie ihren Zweck erfüllt hat.

Wenn du danach noch drei Gesprächsleitfäden liest, deine Formulierungen immer wieder veränderst und jede denkbare Reaktion des Mitarbeiters im Kopf durchspielst, lohnt sich eine andere Frage:

Bereite ich mich gerade noch vor oder versuche ich, mich so lange vorzubereiten, bis sich das Gespräch nicht mehr unangenehm anfühlt?

Denn dieser Moment kommt möglicherweise nicht.

Ein schwieriges Mitarbeitergespräch muss nicht perfekt laufen

Vielleicht sagst du einen Satz nicht optimal.

Vielleicht reagiert dein Gegenüber anders als erwartet.

Vielleicht brauchst du zwischendurch einen Moment zum Nachdenken.

Das bedeutet nicht automatisch, dass das Gespräch schlecht gelaufen ist.

Gerade neue Führungskräfte können den Anspruch entwickeln, gleichzeitig klar, souverän, empathisch, professionell und auf jede mögliche Reaktion vorbereitet sein zu müssen.

Das ist ein hoher Anspruch.

Und je höher der Anspruch an das perfekte Gespräch, desto größer kann die Hürde werden, es überhaupt zu beginnen.

Eine hilfreichere Orientierung kann sein:

Was muss in diesem Gespräch wirklich geklärt werden?

Nicht:

Wie kann ich dafür sorgen, dass sich dieses Gespräch für alle Beteiligten angenehm anfühlt?

Sondern:

Was muss danach klarer sein als vorher?

So kannst du ein schwieriges Gespräch konkret vorbereiten

Wenn du gerade selbst ein Gespräch vor dir herschiebst, kannst du die Situation zunächst auf vier Punkte reduzieren.

1. Was ist konkret passiert?

Bleibe bei beobachtbarem Verhalten.

Nicht:

„Du bist unzuverlässig.“

Sondern beispielsweise:

„Die letzten drei vereinbarten Abgabetermine wurden nicht eingehalten.“

Der Unterschied ist wichtig.

Im ersten Fall bewertest du die Person.

Im zweiten Fall sprichst du über ein konkretes Verhalten.

2. Welche Auswirkungen hat das?

Was passiert aufgrund des Verhaltens?

Müssen andere Teammitglieder Aufgaben übernehmen?

Verzögert sich ein Projekt?

Entstehen zusätzliche Kosten?

Oder leidet die Zusammenarbeit?

Je konkreter du das benennen kannst, desto weniger musst du mit allgemeinen Vorwürfen arbeiten.

3. Was möchtest du verstehen?

Ein Mitarbeitergespräch ist kein Monolog.

Vielleicht gibt es Informationen, die du noch nicht kennst.

Deshalb kann eine einfache Frage wichtig sein:

„Wie siehst du die Situation?“

Das bedeutet nicht, dass du deine Beobachtung zurücknehmen musst.

Es bedeutet, dass du die Perspektive deines Gegenübers einbeziehst, bevor ihr über die nächsten Schritte sprecht.

4. Was erwartest du konkret?

Hier wird Führung sichtbar.

Was soll sich verändern?

Bis wann?

Woran erkennt ihr beide, dass die Vereinbarung eingehalten wurde?

Aus einem vagen:

„Das muss künftig besser laufen.“

kann zum Beispiel werden:

„Ich möchte, dass wir vereinbarte Abgabetermine künftig einhalten. Wenn du merkst, dass ein Termin nicht zu halten ist, brauche ich spätestens zwei Tage vorher eine Rückmeldung.“

Damit weiß dein Gegenüber, was du konkret erwartest.

Klarheit und Wertschätzung schließen sich nicht aus

Manche Menschen verbinden Klarheit mit Härte.

Dabei sind das zwei unterschiedliche Dinge.

Du kannst sagen:

„Ich kann nachvollziehen, dass du gerade viel auf dem Tisch hast. Gleichzeitig müssen wir über die vereinbarten Termine sprechen, weil die Verzögerungen Auswirkungen auf das gesamte Team haben.“

Beide Aussagen können gleichzeitig wahr sein.

Du kannst Verständnis für die Situation eines Menschen haben und trotzdem eine Grenze setzen.

Du kannst jemanden respektieren und trotzdem kritisches Feedback geben.

Du kannst eine gute Beziehung zu deinen Mitarbeitern wollen und trotzdem Entscheidungen treffen, die nicht jedem gefallen.

Führung bedeutet nicht zwangsläufig, zwischen Menschlichkeit und Klarheit zu wählen.

Was passiert, wenn du zu lange wartest?

Ein schwieriges Gespräch aufzuschieben fühlt sich kurzfristig oft leichter an.

Langfristig kann es die Situation schwieriger machen.

Denn während du wartest, entsteht möglicherweise etwas anderes:

Frustration.

Vielleicht reagierst du irgendwann schärfer als nötig, weil sich bereits mehrere Situationen angesammelt haben.

Der Mitarbeiter wiederum weiß möglicherweise gar nicht, wie sehr dich sein Verhalten stört.

Für ihn kommt deine Reaktion dann plötzlich.

Das ist eine problematische Dynamik.

Du hast das Problem innerlich vielleicht schon zehnmal erlebt.

Dein Gegenüber hört zum ersten Mal davon.

Frühe Klarheit kann deshalb fairer sein als langes Schweigen.

Wenn du das Gespräch trotzdem nicht führst

Vielleicht hast du jetzt einen Gesprächsleitfaden.

Du weißt, was passiert ist.

Du weißt, was du sagen möchtest.

Du weißt sogar, welchen Termin du vereinbaren könntest.

Und trotzdem merkst du Widerstand.

Dann lohnt es sich, nicht noch einen weiteren Artikel über Gesprächsführung zu lesen.

Frag dich stattdessen:

Was würde es für mich bedeuten, dieses Gespräch wirklich zu führen?

Vielleicht möchtest du nicht als streng wahrgenommen werden.

Vielleicht hast du Angst vor Ablehnung.

Vielleicht fällt es dir grundsätzlich schwer, Grenzen zu setzen.

Vielleicht möchtest du Konflikte vermeiden.

Vielleicht glaubst du, eine gute Führungskraft müsse jede Situation souverän lösen können.

Oder du bist dir selbst noch nicht sicher, welche Rolle du als Führungskraft einnehmen möchtest.

Dann ist das aufgeschobene Mitarbeitergespräch möglicherweise nur die Situation, in der ein tiefer liegendes Muster sichtbar wird.

Wissen und Handeln sind nicht dasselbe

Du kannst wissen, wie gutes Feedback funktioniert und trotzdem kein Feedback geben.

Du kannst wissen, dass ein Konflikt angesprochen werden sollte und ihn trotzdem vermeiden.

Du kannst wissen, welche Grenze du setzen möchtest und sie trotzdem nicht aussprechen.

Genau diese Lücke zwischen „Ich weiß, was ich tun sollte“ und „Ich tue es tatsächlich“ ist für mich besonders interessant.

Denn an diesem Punkt reicht zusätzliche Information allein häufig nicht mehr.

Dann geht es darum zu verstehen, was dich zurückhält und wie du trotz der damit verbundenen Unsicherheit ins Handeln kommen kannst.

Der nächste Schritt muss nicht groß sein

Wenn du gerade selbst ein schwieriges Mitarbeitergespräch vor dir herschiebst, muss dein nächster Schritt nicht darin bestehen, das gesamte Gespräch perfekt durchzuplanen.

Vielleicht ist dein nächster Schritt viel kleiner:

Schreibe in einem Satz auf, was du konkret ansprechen möchtest.

Notiere zwei beobachtbare Beispiele.

Formuliere, was du künftig erwartest.

Und dann:

Vereinbare den Termin.

Nicht nächste Woche irgendwann.

Nicht, wenn es sich besser anfühlt.

Setze einen konkreten Zeitpunkt.

Denn häufig entsteht Sicherheit nicht vollständig vor dem Handeln.

Ein Teil davon entsteht erst dadurch, dass du handelst.

Neu als Führungskraft und solche Situationen beschäftigen dich häufiger?

Ein schwieriges Mitarbeitergespräch ist oft nur eine von mehreren Situationen, in denen sich Unsicherheit in einer neuen Führungsrolle zeigt.

Vielleicht fällt es dir außerdem schwer, Entscheidungen zu treffen, Aufgaben wirklich abzugeben oder klare Grenzen zu setzen.

Dann lies auch meinen Beitrag:

[Neu als Führungskraft und unsicher? Was dir helfen kann, in deiner neuen Rolle sicherer zu werden]

Dort schauen wir uns genauer an, warum der Wechsel in eine Führungsrolle so viele neue Unsicherheiten auslösen kann und wie du lernen kannst, auch ohne hundertprozentige Sicherheit handlungsfähig zu bleiben.

Wenn du genau weißt, welches Gespräch du führen solltest, es aber trotzdem aufschiebst

Dann können wir uns im Coaching genau diese konkrete Situation anschauen.

Nicht mit dem Ziel, dir vorzuschreiben, was du sagen sollst.

Sondern um herauszufinden:

Was möchtest du in dieser Situation erreichen?

Was hält dich momentan davon ab?

Welche Befürchtung steht möglicherweise hinter deinem Zögern?

Und welcher konkrete nächste Schritt passt zu dir?

Manchmal geht es tatsächlich um eine fehlende Strategie.

Manchmal zeigt sich aber auch ein Muster, das nicht nur in diesem einen Mitarbeitergespräch auftaucht, sondern immer dann, wenn du Grenzen setzen, Konflikte aushalten oder eine klare Position vertreten musst.

Wenn du herausfinden möchtest, ob Coaching dich bei deinem konkreten Anliegen unterstützen kann, kannst du gerne ein kostenloses 20-minütiges Erstgespräch mit mir vereinbaren.

Über Maria Ravariu

Maria Ravariu ist Life & Business Coach mit psychologischem Hintergrund.

Sie begleitet Menschen dabei, persönliche und berufliche Ziele zu klären, innere und äußere Hindernisse zu verstehen und konkrete Schritte in die Umsetzung zu bringen.

Ihre Arbeit verbindet psychologisches Wissen mit einer fundierten Coaching-Ausbildung nach ICF-Standards und mehrjähriger Beratungs- und Berufserfahrung.

Schwerpunkte: berufliche Entscheidungen, Zielumsetzung, neue Führungsrollen, Selbstständigkeit, Veränderungsprozesse sowie innere Blockaden wie Unsicherheit, Perfektionismus und Angst vor Fehlentscheidungen.

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