Loading...

Zwei Jobangebote: Wie entscheide ich mich für den richtigen Job?

Von Maria Ravariu · Life & Business Coach · B.Sc. Psychologie

Eigentlich könntest du dich freuen.

Du hast nicht nur eine Zusage bekommen, sondern zwei.

Das eine Unternehmen bietet dir mehr Gehalt. Das andere die interessanteren Aufgaben. Bei einem hattest du sofort einen guten Eindruck vom Team. Beim anderen wären deine Entwicklungsmöglichkeiten wahrscheinlich besser.

Montag denkst du: Ich nehme Job A.

Dienstag bist du plötzlich wieder bei Job B.

Also machst du eine Pro und Contra Liste. Du vergleichst Gehalt, Urlaubstage, Homeoffice, Fahrtweg und Karrierechancen.

Und am Ende?

Sind beide Jobs immer noch attraktiv.

Wenn du zwischen zwei Jobangeboten entscheiden musst, brauchst du deshalb nicht unbedingt noch mehr Argumente.

Vielleicht musst du zuerst herausfinden, welche Unterschiede für dich wirklich zählen.

1. Vergleiche zuerst die Fakten

Bevor du dich mit deinem Bauchgefühl beschäftigst, solltest du wissen, was du tatsächlich vergleichst.

Schreib für beide Angebote die wichtigsten Bedingungen nebeneinander:

Gehalt und mögliche Boni
Arbeitszeit und Überstunden
Urlaubstage
Homeoffice und Flexibilität
Arbeitsweg
Aufgaben und Verantwortung
Führungskraft und Team
Weiterentwicklung und Aufstiegsmöglichkeiten
Vertragsbedingungen und Probezeit

Gerade bei zwei Angeboten lohnt es sich, nicht nur auf das Jahresgehalt zu schauen. Arbeitszeit, Fahrtweg, variable Vergütung und Zusatzleistungen können den tatsächlichen Unterschied deutlich verändern.

Auch aktuelle Karriere-Ratgeber empfehlen deshalb, Jobangebote anhand mehrerer Kriterien und nicht ausschließlich anhand des Gehalts zu vergleichen.

Sind wichtige Informationen noch offen, versuche sie vor deiner Entscheidung zu klären.

Denn es gibt einen Unterschied zwischen:

„Ich kann mich nicht entscheiden.“

und:

„Mir fehlen noch Informationen, um mich entscheiden zu können.“

2. Welche drei Kriterien sind für dich wirklich entscheidend?

Jetzt wird es interessanter.

Vielleicht hast du zehn Kriterien auf deiner Liste.

Aber sind wirklich alle zehn gleich wichtig?

Wahrscheinlich nicht.

Angenommen:

Job A bietet 8.000 Euro mehr Jahresgehalt, einen bekannten Unternehmensnamen und klare Aufstiegsmöglichkeiten.

Job B bietet spannendere Aufgaben, mehr Gestaltungsspielraum und zwei zusätzliche Homeoffice-Tage.

Welcher Job ist besser?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Für jemanden, der gerade finanziell einen großen Schritt machen möchte, kann das Gehalt besonders wichtig sein.

Für jemanden, der seinen aktuellen Job gerade wegen fehlender Gestaltungsmöglichkeiten verlässt, könnte Job B trotz des niedrigeren Gehalts deutlich besser zu dem passen, was er sucht.

Deshalb frage dich:

Welche drei Kriterien möchte ich bei meinem nächsten Job auf keinen Fall wieder hinten anstellen?

Damit vergleichst du nicht mehr einfach zwei Unternehmen.

Du vergleichst sie anhand dessen, was dir wichtig ist.

3. Warum möchtest du deinen bisherigen Job überhaupt verlassen?

Diese Frage wird leicht vergessen, sobald zwei attraktive Angebote auf dem Tisch liegen.

Denk noch einmal an den Ausgangspunkt.

Warum hast du überhaupt angefangen, dich zu bewerben?

Vielleicht fehlten dir Entwicklungsmöglichkeiten.

Vielleicht hattest du kaum Entscheidungsspielraum.

Vielleicht war dein Arbeitsweg zu lang.

Vielleicht wolltest du mehr verdienen.

Vielleicht möchtest du endlich eine Führungsrolle übernehmen.

Schau dir jetzt beide Angebote an.

Welches davon verändert tatsächlich das Problem, wegen dem du ursprünglich wechseln wolltest?

Ein höheres Gehalt kann attraktiv sein.

Wenn du deinen aktuellen Job aber verlässt, weil du dich seit Jahren langweilst und das besser bezahlte Angebot fast dieselben Aufgaben beinhaltet, solltest du zumindest genauer hinschauen.

4. Welchen Arbeitsalltag kaufst du mit jedem Angebot?

Jobangebote bestehen aus Zahlen und Vertragsbedingungen.

Dein späteres Leben aber nicht.

Stell dir deshalb nicht nur die beiden Angebote vor, sondern einen gewöhnlichen Dienstag sechs Monate nach deinem Start.

Wann stehst du auf?

Wie lange bist du unterwegs?

Woran arbeitest du?

Wie viele Meetings hast du?

Wie viel kannst du selbst entscheiden?

Mit wem arbeitest du zusammen?

Wann bist du wieder zu Hause?

Wie viel Energie bleibt dir danach?

Plötzlich vergleichst du nicht mehr:

65.000 Euro gegen 72.000 Euro.

Sondern zwei unterschiedliche Arbeitsalltage.

Und genau diesen Alltag wirst du später erleben.

5. Was weißt du über deine zukünftige Führungskraft?

Eine Stellenbeschreibung kann hervorragend klingen und der Unternehmensname beeindruckend sein.

Trotzdem wirst du wahrscheinlich sehr viel stärker von deiner direkten Führungskraft und deinem unmittelbaren Arbeitsumfeld beeinflusst als vom Text auf der Karriereseite.

Denk deshalb an die Bewerbungsgespräche zurück.

Wie wurde auf deine Fragen reagiert?

Wie klar waren die Erwartungen an deine Rolle?

Wie wurden Entscheidungen beschrieben?

Welchen Eindruck hattest du von der Zusammenarbeit?

Konntest du zukünftige Kollegen kennenlernen?

Und gibt es etwas, bei dem du während des Gesprächs kurz gestutzt hast, das du anschließend aber schnell wieder beiseitegeschoben hast?

Das bedeutet nicht, aus einem einzelnen Eindruck sofort ein Urteil zu machen.

Aber wenn du noch wichtige Fragen zu Führung, Team oder Erwartungen hast, kann es sinnvoll sein, sie vor der Zusage zu klären.

6. Bei welchem Angebot müsstest du den wichtigeren Kompromiss eingehen?

Wahrscheinlich ist keines der beiden Angebote perfekt.

Deshalb hilft manchmal nicht die Frage:

„Welches Angebot hat mehr Vorteile?“

Sondern:

„Mit welchem Nachteil kann ich besser leben?“

Vielleicht bedeutet Job A mehr Geld, aber auch 45 Minuten zusätzliche Fahrt pro Tag.

Job B bietet die spannendere Rolle, aber weniger Sicherheit.

Job A hat den größeren Namen, Job B dafür die Führungskraft, mit der du lieber arbeiten würdest.

Du wirst möglicherweise nicht alles bekommen.

Die entscheidende Frage ist dann nicht, welcher Job keinen Nachteil hat.

Sondern:

Welchen Kompromiss bin ich bereit einzugehen und welchen nicht?

7. Was würdest du wählen, wenn beide Jobs gleich bezahlt wären?

Das ist ein Gedankenexperiment.

Stell dir vor, beide Unternehmen würden dir exakt dasselbe Gehalt zahlen.

Welches Angebot würdest du nehmen?

Vielleicht kommt die Antwort sofort.

Dann weißt du zumindest, welchen Einfluss das Geld momentan auf deine Entscheidung hat.

Das bedeutet nicht, dass du das Gehalt ignorieren solltest.

Im Gegenteil.

Vielleicht stellst du fest:

„Ich würde Job B nehmen. Aber 10.000 Euro Unterschied sind mir zu viel.“

Auch das ist Klarheit.

Dann lautet deine Entscheidung nicht mehr:

„Welcher Job gefällt mir besser?“

Sondern:

„Ist mir Job B den finanziellen Unterschied wert?“

Das ist eine wesentlich konkretere Frage.

8. Was würdest du wählen, wenn niemand davon erfahren würde?

Manchmal entscheiden nicht nur Aufgaben und Gehalt mit.

Auch Status kann eine Rolle spielen.

Der bekannte Unternehmensname.

Der größere Titel.

Die Führungsposition.

Die Reaktion anderer, wenn du erzählst, wo du künftig arbeitest.

Frag dich deshalb:

Wenn niemand meine Entscheidung bewerten würde, welchen Job würde ich wählen?

Vielleicht ändert sich nichts.

Vielleicht bemerkst du aber, dass ein Teil der Attraktivität eines Angebots damit zu tun hat, wie die Entscheidung nach außen aussieht.

Das muss nicht falsch sein.

Es ist nur hilfreich, es zu wissen.

9. Was sagt dein Bauchgefühl und was genau sagt es?

„Hör auf dein Bauchgefühl“ klingt einfach.

Nur kann sich ein ungutes Gefühl aus ganz unterschiedlichen Gründen melden.

Vielleicht hast du im Vorstellungsgespräch tatsächlich etwas wahrgenommen, das nicht zu dir passt.

Vielleicht macht dir aber auch gerade der Job Angst, den du eigentlich spannender findest, weil er mehr Verantwortung bedeutet.

Deshalb würde ich nicht nur fragen:

„Was fühlt sich besser an?“

Sondern:

„Was genau löst dieses Gefühl aus?“

Angenommen, bei Job B wirst du nervös.

Ist es die Führungskraft?

Die Unternehmenskultur?

Eine unklare Erwartung?

Oder die Tatsache, dass du dort etwas tun würdest, was du noch nie gemacht hast?

Das sind sehr unterschiedliche Informationen.

Ein Beispiel aus dem Coaching

Coaching-Fallbeispiel, zusammengesetzt

Eine Klientin hatte zwei Jobangebote und sagte:

„Egal, welches ich nehme, ich habe das Gefühl, beim anderen etwas zu verlieren.“

Das erste Angebot bedeutete mehr Gehalt und eine sichere Position. Das zweite bot ihr mehr Gestaltungsspielraum und Aufgaben, die sie deutlich spannender fand.

Sie hatte bereits mehrere Listen geschrieben.

Ich fragte sie:

„Was möchtest du bei deiner Entscheidung auf keinen Fall verlieren?“

Sie dachte kurz nach.

„Entwicklung.“

Dann wurde sie still.

„Eigentlich war genau das der Grund, warum ich überhaupt angefangen habe, mich zu bewerben.“

Ich fragte:

„Was bedeutet das für deine beiden Angebote?“

Sie schaute noch einmal auf ihre Notizen.

„Dass ich die ganze Zeit versuche, herauszufinden, welcher Job objektiv besser ist. Aber das ist gar nicht meine Frage.“

„Was ist deine Frage?“

„Wo ich mich in den nächsten Jahren stärker entwickeln kann.“

Damit war ihre Entscheidung noch nicht automatisch getroffen. Aber sie wusste plötzlich, was sie bei beiden Angeboten genauer prüfen musste.

Sie führte noch ein Gespräch mit einem der Unternehmen, klärte ihre offenen Fragen und entschied sich anschließend für eines der Angebote.

Beim nächsten Termin sagte sie:

„Jetzt kann ich die Entscheidung auch erklären. Nicht nur den anderen, sondern mir selbst.“

10. Welche Information fehlt dir noch?

Vielleicht musst du dich noch gar nicht entscheiden.

Vielleicht fehlt dir eine konkrete Information.

Zum Beispiel:

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Wie groß ist mein Entscheidungsspielraum?

Warum ist die Stelle frei geworden?

Was erwartet meine Führungskraft in den ersten sechs Monaten?

Wie häufig muss ich tatsächlich ins Büro?

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es konkret?

Wie setzt sich die variable Vergütung zusammen?

Dann frag nach.

Ein weiteres Gespräch kann wertvoller sein als die fünfte Pro und Contra Liste.

Denn Unsicherheit, die durch fehlende Informationen entsteht, solltest du möglichst reduzieren.

Unsicherheit darüber, wie sich deine gesamte Zukunft entwickeln wird, kannst du dagegen nie vollständig ausschließen.

Eine Entscheidung bedeutet auch, auf etwas zu verzichten

Vielleicht ist genau das der unangenehmste Teil.

Wenn beide Angebote attraktiv sind, bedeutet ein Ja zu Job A gleichzeitig ein Nein zu Job B.

Du verlierst damit auch eine Möglichkeit, die gut hätte werden können.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass deine Entscheidung falsch ist.

Zwei Optionen können gleichzeitig gut sein.

Du musst deshalb nicht beweisen, dass das abgelehnte Angebot schlecht war.

Du brauchst eine ausreichende Grundlage dafür, warum deine gewählte Option zu deinen aktuellen Prioritäten besser passt.

Eine einfache Entscheidungshilfe für zwei Jobangebote

Wenn du gerade zwischen zwei Angeboten sitzt, beantworte für beide dieselben fünf Fragen:

1. Welche meiner drei wichtigsten Kriterien erfüllt dieser Job?

2. Welchen wesentlichen Kompromiss müsste ich eingehen?

3. Welches Problem meines bisherigen Jobs würde sich dadurch tatsächlich verändern?

4. Welche wichtige Information fehlt mir noch?

5. Wenn ich mich heute dafür entscheide, kann ich nachvollziehen, warum diese Entscheidung zu meinen aktuellen Prioritäten passt?

Du suchst damit nicht nach dem objektiv besten Job.

Du suchst nach dem Angebot, das zu dem passt, was dir in deiner aktuellen Situation wichtig ist.

Du weißt noch gar nicht, welche berufliche Richtung du möchtest?

Dann bist du einen Schritt früher im Prozess.

Wenn du weißt, dass sich beruflich etwas verändern soll, aber noch keine klare Vorstellung davon hast, was du stattdessen möchtest, findest du in meinem Beitrag Berufliche Neuorientierung: Wie finde ich heraus, was ich wirklich will? konkrete Fragen zur Orientierung.

Wenn du dagegen noch grundsätzlich zwischen deinem jetzigen Job und einem Wechsel schwankst, hilft dir der Beitrag Job wechseln oder bleiben? 10 Fragen, die dir bei der Entscheidung helfen.

Wie Coaching bei einer schwierigen beruflichen Entscheidung helfen kann

Gerade bei zwei guten Möglichkeiten kann es passieren, dass du immer wieder dieselben Argumente abwägst und trotzdem zu keiner klaren Entscheidung kommst.

Im Coaching schauen wir deshalb nicht nur auf Job A und Job B. Wir schauen auch darauf, was dir bei deiner Entscheidung wirklich wichtig ist.

Welche Kriterien sind für dich entscheidend? Wo fehlen dir tatsächlich noch Informationen? Welche Kompromisse bist du bereit einzugehen? Und wo suchst du vielleicht nach einer Sicherheit, die du vor der Entscheidung gar nicht bekommen kannst?

Dabei sage ich dir nicht, welchen Job du wählen solltest. Die Entscheidung bleibt bei dir.

Das Ziel ist, dass du am Ende nicht nur eine Entscheidung triffst, sondern auch weißt, warum sie für dich die richtige ist.

Du stehst vor einer wichtigen beruflichen Entscheidung?

Wenn du bereits alle Argumente kennst, aber trotzdem zwischen zwei Möglichkeiten festhängst, können wir deine konkrete Situation gemeinsam sortieren.

Wir schauen darauf, was dir wirklich wichtig ist, welche Fragen noch offen sind und was du brauchst, um deine eigene Entscheidung zu treffen.

Über Maria Ravariu

Maria Ravariu ist Life & Business Coach mit psychologischem Hintergrund.

Sie begleitet Menschen dabei, persönliche und berufliche Ziele zu klären, innere und äußere Hindernisse zu verstehen und konkrete Schritte in die Umsetzung zu bringen.

Ihre Arbeit verbindet psychologisches Wissen mit einer fundierten Coaching-Ausbildung nach ICF-Standards und mehrjähriger Beratungs- und Berufserfahrung.

Schwerpunkte: berufliche Entscheidungen, Zielumsetzung, neue Führungsrollen, Selbstständigkeit, Veränderungsprozesse sowie innere Blockaden wie Unsicherheit, Perfektionismus und Angst vor Fehlentscheidungen.

Facebook Twitter Instagram Linkedin Youtube