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Du willst dich selbstständig machen, kommst aber nicht ins Handeln? 7 mögliche Gründe

Von Maria Ravariu · Life & Business Coach · B.Sc. Psychologie

Vielleicht denkst du nicht mehr darüber nach, ob du dich selbstständig machen möchtest.

Du willst es.

Vielleicht hast du sogar schon ziemlich viel dafür getan. Du hast recherchiert, ein Angebot entwickelt, einen Namen gefunden, Preise verglichen, eine Weiterbildung gemacht oder angefangen, eine Website aufzubauen.

Trotzdem gibt es Dinge, die seit Wochen oder Monaten auf deiner Liste stehen.

Den ersten potenziellen Kunden anschreiben.

Dein Angebot veröffentlichen.

Einen Preis nennen.

Mit jemandem über eine Zusammenarbeit sprechen.

Den ersten Test durchführen.

Und irgendwann fragst du dich:

Warum mache ich es nicht einfach?

Die Antwort muss nicht sein, dass du zu wenig motiviert oder undiszipliniert bist.

Vielleicht arbeitest du sogar sehr viel an deiner geplanten Selbstständigkeit. Interessanter ist dann die Frage, welche Schritte du immer wieder machst und an welcher Stelle du stehen bleibst.

Dafür kann es sehr unterschiedliche Gründe geben.

1. Du bereitest dich vor, weil Vorbereitung dir Sicherheit gibt

Noch ein Buch.

Noch ein Podcast.

Noch einmal die Konkurrenz analysieren.

Noch eine Weiterbildung.

Noch eine Überarbeitung deines Angebots.

Jede dieser Tätigkeiten kann sinnvoll sein. Problematisch wird es, wenn du nach jeder beantworteten Frage eine neue Voraussetzung findest, die vor dem Start ebenfalls noch erfüllt werden muss.

Du wolltest anfangen, sobald dein Angebot steht.

Das Angebot steht, aber jetzt brauchst du noch eine Website.

Die Website ist fast fertig, aber deine Positionierung könnte klarer sein.

Danach willst du noch lernen, wie Kundengewinnung funktioniert.

Und bevor du Kunden ansprichst, wäre vielleicht diese eine Weiterbildung doch noch sinnvoll.

So kann Vorbereitung zu einem Zustand werden, der kein klares Ende mehr hat.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob du gerade eine konkrete Wissenslücke schließt, die du für deinen nächsten Schritt wirklich brauchst, oder ob du versuchst, durch weitere Vorbereitung die Unsicherheit des nächsten Schrittes zu reduzieren.

Denn manche Antworten bekommst du erst, wenn andere Menschen beteiligt sind.

Ob jemand dein Angebot versteht.

Ob jemand bereit ist, deinen Preis zu bezahlen.

Welche Einwände entstehen.

Welche Fragen Kunden stellen.

Was funktioniert und was du verändern musst.

Weitere Vorbereitung kann dir diese Antworten irgendwann nicht mehr geben.

2. Du erledigst viel, aber ausgerechnet die unangenehmen Aufgaben bleiben liegen

Du hattest am Samstag vier Stunden für deine Selbstständigkeit eingeplant.

Am Ende hast du die Startseite überarbeitet, ein neues Tool eingerichtet, deine Farben geändert und drei interessante Videos über Marketing angeschaut.

Du warst beschäftigt.

Die Nachricht an den potenziellen Kunden, die du eigentlich schicken wolltest, liegt immer noch als Entwurf auf deinem Laptop.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Wir greifen häufig zuerst zu Aufgaben, bei denen wir wissen, was zu tun ist.

Eine Grafikdesignerin kann stundenlang an ihrer Website arbeiten, weil Gestaltung ihr vertraut ist.

Ein Coach kann noch eine Weiterbildung machen, weil Lernen vertrauter ist als Verkaufen.

Ein Berater kann sein Konzept weiter ausarbeiten, weil er darin kompetent ist.

Die geschäftlich wichtigere Aufgabe kann gleichzeitig unangenehmer sein: jemanden kontaktieren, einen Preis nennen, nach einem Auftrag fragen oder das eigene Angebot öffentlich zeigen.

Wenn du das Gefühl hast, ständig an deiner Selbstständigkeit zu arbeiten und trotzdem nicht voranzukommen, schau deshalb einmal auf deine letzten Wochen.

Welche Aufgaben erledigst du immer wieder und welche eine Aufgabe verschiebst du regelmäßig?

Gerade die zweite Antwort kann interessant sein.

3. Der nächste Schritt macht deine Idee bewertbar

Solange dein Angebot nur auf deinem Laptop liegt, ist vieles möglich.

Vielleicht würde es funktionieren.

Vielleicht würden Kunden es kaufen.

Vielleicht könntest du damit erfolgreich werden.

Sobald du dein Angebot einem echten Menschen zeigst, verändert sich etwas.

Er kann interessiert sein.

Er kann Fragen stellen.

Er kann sagen, dass es zu teuer ist.

Er kann gar nicht antworten.

Oder er kann sagen:

„Das brauche ich nicht.“

Damit wird aus einer Idee eine Erfahrung.

Das kann erklären, warum manche Aufgaben überraschend lange dauern. Die zehnte Überarbeitung der Website fühlt sich möglicherweise leichter an als eine einzige Nachricht an einen potenziellen Kunden.

Bei der Website behältst du weitgehend die Kontrolle.

Bei der Nachricht nicht.

Du kannst entscheiden, was du schreibst. Du kannst aber nicht entscheiden, wie der andere darauf reagiert.

Wenn du an einer bestimmten Stelle immer wieder stehen bleibst, kann deshalb eine ungewöhnliche Frage hilfreich sein:

Was könnte ich erfahren, wenn ich diesen Schritt tatsächlich mache?

Vielleicht geht es weniger um die Aufgabe selbst als um die mögliche Antwort darauf.

4. Du hast aus dem Start ein riesiges Projekt gemacht

„Ich möchte mich selbstständig machen“ klingt wie ein Ziel.

Im Alltag kann daraus sehr schnell eine Liste mit 30 Aufgaben werden.

Angebot entwickeln. Zielgruppe definieren. Preise kalkulieren. Website erstellen. Gewerbe anmelden. Buchhaltung verstehen. Versicherung klären. Social Media aufbauen. Marketing lernen. Kunden gewinnen. Verträge prüfen. Fotos machen. Positionierung schärfen. Geschäftskonto eröffnen.

Plötzlich weißt du nicht mehr, wo du anfangen sollst.

Dann kann das Problem sehr praktisch sein: Dein nächster Schritt ist nicht klar genug.

„An meiner Selbstständigkeit arbeiten“ ist keine konkrete Aufgabe.

„Bis Donnerstag drei Personen kontaktieren, die grundsätzlich zu meiner Zielgruppe gehören könnten“ schon.

„Marketing machen“ ist abstrakt.

„Zwei frühere Kontakte anschreiben und ihnen mein Angebot zeigen“ ist konkret.

Psychologische Forschung zur Zielumsetzung zeigt seit Langem, dass eine starke Absicht allein nicht garantiert, dass Menschen tatsächlich handeln. Konkrete Pläne darüber, wann, wo und wie eine Handlung stattfinden soll, können die Umsetzung unterstützen.

Für deine Selbstständigkeit bedeutet das nicht, dass du dein gesamtes Business bis ins Detail planen musst.

Es kann reichen, den nächsten Schritt so konkret zu machen, dass du weißt, was du wann tatsächlich tun wirst.

5. Du willst die Selbstständigkeit, möchtest aber gleichzeitig etwas behalten

Vielleicht möchtest du selbstbestimmter arbeiten.

Gleichzeitig möchtest du dein regelmäßiges Einkommen nicht verlieren.

Du möchtest dein eigenes Unternehmen aufbauen.

Gleichzeitig möchtest du deine Abende und Wochenenden weiterhin frei haben.

Du möchtest mehr verdienen.

Gleichzeitig möchtest du keine finanzielle Unsicherheit.

Du möchtest Kunden gewinnen.

Gleichzeitig möchtest du möglichst keine Ablehnung erleben.

Beides kann für dich wichtig sein.

Dann kann es passieren, dass du dir seit Monaten sagst, du müsstest dich endlich besser organisieren, obwohl du eigentlich zwischen zwei Bedürfnissen festhängst.

Das lässt sich nicht immer mit einem besseren Zeitplan lösen.

Es lohnt sich genauer hinzuschauen:

Was würde ich gewinnen, wenn ich wirklich anfange und was müsste ich dafür möglicherweise aufgeben oder verändern?

Vielleicht findest du eine Zwischenlösung.

Vielleicht möchtest du zunächst nebenberuflich testen.

Vielleicht brauchst du einen größeren finanziellen Puffer.

Vielleicht stellst du aber auch fest, dass du einen Preis für deine gewünschte Veränderung bisher nicht wirklich akzeptieren möchtest.

Auch das ist eine relevante Erkenntnis.

6. Du wartest auf den Moment, an dem es sich richtig anfühlt

Nach diesem stressigen Projekt im Job.

Nach dem Urlaub.

Wenn du etwas mehr Geld gespart hast.

Wenn die Website fertig ist.

Wenn du mehr Erfahrung hast.

Ab Januar.

Im Frühjahr.

Wenn du dich sicherer fühlst.

Jeder einzelne Grund kann nachvollziehbar sein.

Interessant wird es, wenn der Zeitpunkt regelmäßig weiterwandert.

Dann kannst du einmal zurückschauen:

Was musste vor sechs Monaten noch passieren, bevor du anfangen wolltest?

Ist genau das inzwischen passiert?

Und wenn ja: Was muss heute noch passieren?

So kannst du erkennen, ob sich deine Voraussetzungen tatsächlich verändern oder ob der Startpunkt mit jeder erreichten Voraussetzung ebenfalls weiter nach hinten rückt.

Vielleicht brauchst du wirklich noch Zeit.

Vielleicht gibt es gerade gute Gründe, nicht zu starten.

Dann darf das auch deine bewusste Entscheidung sein.

Wenn du aber seit zwei Jahren grundsätzlich starten möchtest und der „richtige Zeitpunkt“ immer drei Monate entfernt liegt, lohnt es sich genauer hinzuschauen.

7. Vielleicht macht dir nicht nur die Möglichkeit des Scheiterns etwas aus

Beim Thema Selbstständigkeit wird viel über die Angst vor dem Scheitern gesprochen.

Eine andere Frage wird seltener gestellt:

Was würde sich verändern, wenn es tatsächlich funktioniert?

Stell dir vor, dein Angebot geht online und die ersten Kunden kommen.

Dann musst du liefern.

Vielleicht musst du plötzlich regelmäßig verkaufen.

Du hast Verpflichtungen gegenüber Kunden.

Du musst Entscheidungen treffen.

Vielleicht wird aus einem interessanten Nebenprojekt irgendwann die Frage, ob du deine Arbeitszeit reduzierst oder deinen Job verlässt.

Vielleicht brauchst du Unterstützung oder musst zum ersten Mal Aufgaben abgeben.

Vielleicht sehen Freunde, Familie und ehemalige Kollegen jetzt tatsächlich, was du machst.

Erfolg kann neue Möglichkeiten schaffen. Er kann gleichzeitig neue Verantwortung mit sich bringen.

Deshalb kann es interessant sein, nicht nur zu fragen:

„Was, wenn es nicht funktioniert?“

Sondern auch:

„Was müsste ich übernehmen, wenn es funktioniert?“

Vielleicht liegt genau dort etwas, worüber du bisher kaum nachgedacht hast.

Coaching Fallbeispiel: „Ich bin einfach nicht diszipliniert genug“

Eine Klientin wollte sich neben ihrem Beruf mit einer Dienstleistung selbstständig machen.

Sie hatte bereits ein Angebot entwickelt und viel Zeit investiert.

Im Coaching sagte sie:

„Mein Problem ist, dass ich einfach nicht diszipliniert genug bin.“

Ich fragte:

„Woran merkst du das?“

Sie erzählte, was sie in den vergangenen Wochen gemacht hatte.

Sie hatte an ihrer Website gearbeitet, Texte geschrieben und ihr Angebot mehrfach überarbeitet.

Ich fragte:

„Wenn du dir diese Liste anschaust, wie passt sie zu deiner Aussage, dass du undiszipliniert bist?“

Sie hielt kurz inne.

„Eigentlich gar nicht. Ich mache ja ziemlich viel.“

Wir schauten weiter darauf, welche Aufgaben sie erledigte und welche seit Wochen liegen blieben.

Eine davon fiel sofort auf.

Sie wollte fünf frühere berufliche Kontakte anschreiben, denen sie ihre neue Dienstleistung anbieten konnte.

Die Nachricht dafür hatte sie längst formuliert.

Verschickt hatte sie sie nicht.

Ich fragte:

„Was ist bei dieser Aufgabe anders als bei den anderen?“

Sie antwortete:

„Da kann jemand Nein sagen.“

Nach einer kurzen Pause ergänzte sie:

„Bei meiner Website kann ich immer noch etwas verbessern. Da kann eigentlich nichts passieren.“

Ihre ursprüngliche Frage hatte sich damit verändert.

Es ging nicht mehr darum, wie sie disziplinierter werden konnte. Sie wollte genauer verstehen, warum ausgerechnet der Kontakt mit potenziellen Kunden für sie schwieriger war als die vielen Stunden Arbeit, die sie bereits investierte.

Am Ende entschied sie selbst, die Nachricht zunächst an eine Person zu schicken.

Bevor du dir noch eine neue To do Liste schreibst

Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, brauchst du nicht sofort sieben neue Dinge zu verändern.

Nimm stattdessen eine Aufgabe, die du schon länger vor dir herschiebst.

Nicht „Selbstständigkeit starten“.

Etwas Konkretes.

Zum Beispiel:

Einen potenziellen Kunden anschreiben.

Einen Preis festlegen.

Ein Angebot verschicken.

Mit drei Menschen aus deiner Zielgruppe sprechen.

Deine Dienstleistung erstmals öffentlich anbieten.

Einen notwendigen Termin mit einer Fachperson vereinbaren.

Schreib anschließend drei Dinge auf:

1. Was fehlt mir tatsächlich noch, um diesen Schritt sinnvoll machen zu können?

Vielleicht fehlt dir eine wichtige Information. Dann beschaffe genau diese Information.

2. Was könnte passieren, sobald ich diesen Schritt mache?

Eine Absage? Eine Rückfrage? Eine Entscheidung? Eine finanzielle Verpflichtung? Sichtbarkeit? Ein echter Kunde?

3. Was mache ich stattdessen?

Noch mehr recherchieren? An der Website arbeiten? Einen weiteren Kurs anschauen? Auf einen besseren Zeitpunkt warten?

Diese drei Antworten können dir mehr darüber zeigen, warum du gerade nicht weiterkommst, als die pauschale Aussage:

„Ich muss mich endlich mehr motivieren.“

Vielleicht musst du gerade auch gar nicht anfangen

Es gibt noch eine Möglichkeit, die bei all den Aufforderungen zum „Einfach machen“ schnell untergeht.

Vielleicht hast du gute Gründe, gerade nicht zu starten.

Deine finanzielle Situation passt nicht.

Du hast momentan kaum zeitliche Kapazität.

Eine wichtige fachliche Voraussetzung fehlt.

Deine Geschäftsidee überzeugt dich selbst noch nicht.

Oder du stellst fest, dass du die Selbstständigkeit im Moment weniger möchtest, als du bisher angenommen hast.

Dann musst du dich nicht dazu bringen, endlich zu handeln.

Es kann genauso wertvoll sein, bewusst zu sagen:

Ich starte jetzt nicht.

Das ist etwas anderes, als sich über Monate vorzunehmen anzufangen und den Start immer wieder zu verschieben.

Klarheit kann auch bedeuten, eine Entscheidung gegen den nächsten Schritt zu treffen.

Wenn du deinen nächsten Schritt eigentlich kennst

Vielleicht erkennst du nach diesem Artikel schon besser, wo du gerade stehst. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen nächsten Schritten.

Und falls du merkst, dass du dich trotz vieler Überlegungen immer wieder an derselben Stelle wiederfindest, lass uns deine konkrete Situation gerne gemeinsam im Coaching anschauen.

Manchmal hilft eine Perspektive von außen, schneller Klarheit zu bekommen und sich dadurch unnötige Umwege, Zeit, Nerven und möglicherweise auch Geld zu sparen.

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Über Maria Ravariu

Life & Business Coach mit psychologischem Hintergrund

Ich begleite Menschen dabei, persönliche und berufliche Ziele zu klären, innere und äußere Hindernisse zu verstehen und konkrete Schritte in die Umsetzung zu bringen.

Meine Arbeit verbindet psychologisches Wissen mit einer fundierten Coaching-Ausbildung nach ICF-Standards und mehrjähriger Beratungs- und Berufserfahrung.

Schwerpunkte: berufliche Entscheidungen, Zielumsetzung, neue Führungsrollen, Selbstständigkeit, Veränderungsprozesse sowie innere Blockaden wie Unsicherheit, Perfektionismus und Angst vor Fehlentscheidungen.

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