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Nebenberuflich selbstständig oder Job kündigen? Was passt zu deiner Situation?

Von Maria Ravariu · Life & Business Coach · B.Sc. Psychologie

Du möchtest dich selbstständig machen. Die Entscheidung dafür fühlt sich vielleicht schon ziemlich klar an.

Jetzt kommt die nächste Frage:

Solltest du deine Selbstständigkeit nebenberuflich aufbauen oder deinen Job kündigen und dich vollständig darauf konzentrieren?

Für den nebenberuflichen Start spricht die Sicherheit. Dein Gehalt kommt weiterhin jeden Monat. Du kannst dein Angebot ausprobieren, erste Kunden gewinnen und Erfahrungen sammeln, ohne sofort von deiner Selbstständigkeit leben zu müssen.

Gleichzeitig kann genau diese Sicherheit zum Problem werden.

Du arbeitest acht Stunden, kommst nach Hause und möchtest eigentlich noch Kunden gewinnen, Angebote schreiben oder an deinem Business arbeiten. Aber deine Energie ist längst woanders geblieben.

Die Alternative klingt zunächst einfacher: kündigen, Zeit gewinnen und endlich richtig loslegen.

Dann fällt allerdings das regelmäßige Gehalt weg.

Deshalb lässt sich die Frage nicht pauschal mit „Starte lieber nebenberuflich“ oder „Wenn du es ernst meinst, musst du springen“ beantworten.

Entscheidend ist, welches Risiko du tragen kannst und was dein Geschäftsmodell braucht, damit du überhaupt herausfinden kannst, ob es funktioniert.

Nebenberuflich starten gibt dir Sicherheit und Zeit zum Testen

Für viele Menschen ist der nebenberufliche Start attraktiv, weil nicht sofort die gesamte finanzielle Existenz vom neuen Business abhängt.

Stell dir vor, du möchtest dich als Beraterin selbstständig machen.

Du behältst zunächst deinen Job und gewinnst parallel die ersten drei Kunden. Dabei merkst du, welche Themen tatsächlich nachgefragt werden, welche Preise funktionieren und wie viel Zeit die Arbeit mit einem Kunden wirklich benötigt.

Diese Informationen hattest du vor dem Start nicht.

Du hast sie bekommen, weil du angefangen hast.

Genau darin kann ein großer Vorteil einer nebenberuflichen Selbstständigkeit liegen: Du kannst Annahmen testen, während ein Teil deiner finanziellen Sicherheit bestehen bleibt.

Besonders bei Geschäftsmodellen mit geringen Anfangsinvestitionen kann das eine Möglichkeit sein, Erfahrungen zu sammeln, bevor du eine größere berufliche Entscheidung triffst.

Nebenberuflich bedeutet allerdings nicht automatisch einfacher

Montag bis Freitag arbeitest du in deinem Hauptjob.

Dienstagabend beantwortest du Kundenanfragen.

Donnerstag möchtest du eigentlich Akquise machen.

Am Samstag arbeitest du an deiner Website.

Sonntag bereitest du Termine für die kommende Woche vor.

Nach einigen Monaten stellst du vielleicht fest: Das Business entwickelt sich, aber du hast kaum Zeit, es weiterzuentwickeln.

Genau diese Situation beschreiben auch Menschen, die ihre Selbstständigkeit parallel zu einer Vollzeitstelle aufbauen. Mit steigender Auftragslage wird irgendwann nicht nur die finanzielle Frage relevant, sondern auch die verfügbare Zeit.

Ein nebenberuflicher Start kann Sicherheit geben. Er kann gleichzeitig dazu führen, dass du zwei anspruchsvolle berufliche Rollen parallel trägst.

Deshalb ist eine wichtige Frage:

Kannst du dein Geschäftsmodell neben deinem aktuellen Job überhaupt realistisch testen?

Wenn dir gerade die Zeit fehlt, die dein Business zum Wachsen braucht

Nehmen wir an, du verkaufst eine Dienstleistung an Unternehmen.

Für die Kundengewinnung musst du telefonieren, Gespräche führen und Termine wahrnehmen. Deine potenziellen Kunden arbeiten aber genau zu den Zeiten, zu denen du selbst im Büro sitzt.

Abends hättest du Zeit für dein Business, deine Kunden aber nicht.

Dann kann ein Nebenerwerb das tatsächliche Potenzial deiner Idee schlechter abbilden.

Ähnlich kann es aussehen, wenn du bereits mehrere Aufträge hast, aber regelmäßig neue Anfragen ablehnen musst, weil dir die Zeit fehlt.

In solchen Situationen verändert sich die Entscheidung.

Die Frage lautet dann weniger:

„Traue ich mich zu kündigen?“

Sondern eher:

„Was könnte sich in meinem Business entwickeln, wenn ich ihm mehr Zeit zur Verfügung stelle?“

Das ist noch keine Antwort darauf, ob du kündigen solltest. Aber es ist eine andere Ausgangslage als bei jemandem, der noch keine Kunden hat und zunächst herausfinden möchte, ob überhaupt Nachfrage besteht.

Kündigen, weil du an dein Business glaubst oder weil du aus deinem Job rauswillst?

Diese beiden Motive können leicht zusammenfallen.

Vielleicht bist du schon länger unzufrieden mit deinem Job. Gleichzeitig hast du eine Geschäftsidee, die dich begeistert.

Plötzlich scheint die Selbstständigkeit zwei Probleme auf einmal zu lösen:

Du kannst deinen ungeliebten Job verlassen und endlich etwas Eigenes machen.

Das kann eine starke Motivation sein. Für die Entscheidung lohnt es sich trotzdem, beides getrennt zu betrachten.

Angenommen, dein aktueller Job wäre ab morgen deutlich besser. Andere Führungskraft, interessantere Aufgaben, mehr Flexibilität.

Würdest du dich trotzdem selbstständig machen wollen?

Wenn deine Antwort klar Ja lautet, sagt das etwas anderes über deine Motivation aus, als wenn die Selbstständigkeit hauptsächlich attraktiv wird, weil du deine aktuelle Arbeit nicht mehr machen möchtest.

Ein Job, den du verlassen willst, und ein Business, das du aufbauen willst, sind zwei unterschiedliche Entscheidungen.

Ab welchem Umsatz kannst du deinen Job kündigen?

Eine pauschale Zahl gibt es dafür nicht.

Zwei Menschen können mit demselben monatlichen Umsatz in völlig unterschiedlichen Situationen sein.

Eine Person lebt allein, hat niedrige Fixkosten und Rücklagen für ein Jahr.

Eine andere finanziert eine Familie, zahlt einen Immobilienkredit und braucht jeden Monat ein deutlich höheres Einkommen.

Auch Umsatz und tatsächlich verfügbares Einkommen sind nicht dasselbe. Betriebsausgaben, Steuern, Versicherungen und weitere Kosten müssen berücksichtigt werden.

Deshalb ist nicht nur interessant, wie viel dein Business aktuell einnimmt.

Du brauchst ein realistisches Bild davon, was du privat benötigst, welche Kosten dein Unternehmen verursacht, welche Schwankungen auftreten können und welchen finanziellen Puffer du für dich brauchst.

Diese Berechnung gehört zu den Punkten, die du vor einer Kündigung fachlich sauber prüfen solltest.

Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Umsatz

Ein Gedanke kann bei dieser Entscheidung besonders verlockend sein:

„Wenn ich neben meinem Job bereits 2.000 Euro verdiene, müsste ich mit doppelt so viel Zeit doch viel mehr verdienen können.“

Vielleicht stimmt das.

Vielleicht auch nicht.

Es hängt davon ab, was dein Wachstum momentan tatsächlich begrenzt.

Wenn du jede Woche Kunden ablehnen musst, weil dein Kalender voll ist, kann zusätzliche Zeit einen großen Unterschied machen.

Wenn du dagegen zwanzig Stunden mehr zur Verfügung hättest, aber noch nicht weißt, wie du regelmäßig neue Kunden gewinnst, löst eine Kündigung dieses Problem nicht automatisch.

Mehr verfügbare Zeit ist zunächst genau das: mehr verfügbare Zeit.

Deshalb lohnt es sich zu verstehen, welcher Engpass dein Business gerade tatsächlich begrenzt.

Es gibt mehr Möglichkeiten als Vollzeitjob oder Kündigung

Die Entscheidung wird schnell zu einem Entweder-oder:

Job behalten oder kündigen.

Sicherheit oder Selbstständigkeit.

Manchmal existiert aber eine Zwischenstufe.

Vielleicht kannst du deine Arbeitszeit reduzieren.

Vielleicht wechselst du vorübergehend von fünf auf vier oder drei Arbeitstage.

Vielleicht kannst du Rücklagen aufbauen und einen konkreten Zeitpunkt festlegen, an dem du neu entscheidest.

Vielleicht möchtest du zunächst bestimmte geschäftliche Kriterien erreichen, bevor du deine Arbeitszeit veränderst.

Ein Übergang über Teilzeit kann beispielsweise interessant sein, wenn dein Business bereits Nachfrage zeigt, ein Vollzeitjob aber kaum noch Raum für weiteres Wachstum lässt.

Welche Möglichkeiten arbeitsrechtlich, steuerlich und sozialversicherungsrechtlich für dich bestehen, hängt von deiner individuellen Situation ab. Auch dein Arbeitsvertrag kann Regelungen zu Nebentätigkeiten enthalten. Eine Konkurrenztätigkeit zum Arbeitgeber kann ebenfalls relevant sein. Diese Punkte solltest du vor dem Start beziehungsweise vor einer Veränderung fachlich prüfen.

Coaching Fallbeispiel

Eine Klientin hatte ihre Selbstständigkeit seit einigen Monaten neben ihrem Vollzeitjob aufgebaut.

Sie hatte erste zahlende Kunden und bekam regelmäßig Anfragen. Gleichzeitig sagte sie im Coaching:

„Ich glaube, ich müsste kündigen, wenn ich wirklich herausfinden will, ob das funktioniert.“

Ich fragte:

„Was würde dir eine Kündigung ermöglichen, was heute nicht möglich ist?“

Sie antwortete:

„Ich hätte endlich genug Zeit. Im Moment mache ich alles abends und am Wochenende.“

Wir schauten genauer darauf, wofür sie diese zusätzliche Zeit einsetzen wollte.

Sie nannte Kundentermine, Akquise und die Weiterentwicklung ihres Angebots.

Dann sagte sie:

„Eigentlich ist mein Problem nicht, dass ich keine Kunden bekomme. Ich sage inzwischen sogar Termine ab, weil ich sie nicht unterbekomme.“

Ich fragte:

„Was macht diese Erkenntnis mit deiner Entscheidung?“

Sie überlegte.

„Dann ist die Situation schon eine andere, als ich sie mir die ganze Zeit erzähle. Ich kündige nicht für eine Idee, von der ich noch gar nicht weiß, ob jemand sie will.“

Im weiteren Gespräch betrachtete sie ihre finanzielle Situation, ihre vorhandenen Aufträge und die Möglichkeiten zwischen Vollzeitstelle und vollständiger Kündigung.

Dabei wurde für sie eine weitere Option interessant: zunächst ihre Arbeitszeit im Angestelltenjob zu reduzieren.

Sie entschied sich, konkret zu prüfen, ob eine Reduzierung möglich war und welche finanziellen Voraussetzungen sie dafür erfüllt haben wollte.

Ihr nächster Schritt entstand damit aus ihrer eigenen Situation und nicht aus einer allgemeinen Regel darüber, wann man für eine Selbstständigkeit kündigen sollte.

Was, wenn du dich eigentlich schon entschieden hast, aber ein schlechtes Gewissen hast?

Es gibt noch einen Grund, warum eine Kündigung schwerfallen kann, obwohl die wirtschaftliche Entscheidung bereits relativ klar erscheint.

Du magst deine Kollegen.

Dein Team verlässt sich auf dich.

Dein Arbeitgeber hat dir Möglichkeiten gegeben.

Vielleicht bist du für wichtige Projekte verantwortlich und denkst:

„Ich kann die doch jetzt nicht einfach hängen lassen.“

Auch solche Gedanken tauchen bei Menschen auf, die den Wechsel aus einer nebenberuflichen in eine hauptberufliche Selbstständigkeit erwägen.

Dann geht es möglicherweise weniger um die Frage, ob dein Business bereit ist, sondern um die Verantwortung, die du gegenüber deinem bisherigen Arbeitsplatz empfindest.

Eine Kündigung kann Auswirkungen auf andere Menschen haben. Gleichzeitig ist deine berufliche Entscheidung eine Entscheidung über deinen eigenen weiteren Weg.

Hier kann es hilfreich sein, zu unterscheiden, welche Verantwortung tatsächlich bei dir liegt und welche Verantwortung du gerade zusätzlich übernimmst.

Wann kann ein nebenberuflicher Start sinnvoll sein?

Ein nebenberuflicher Start kann besonders interessant sein, wenn du deine Idee zunächst am Markt testen möchtest, noch keinen stabilen Kundenstamm hast oder deine finanzielle Sicherheit aktuell eine hohe Bedeutung hat.

Auch die IHK nennt als Vorteile einer Nebenerwerbsgründung unter anderem die Möglichkeit, eine Geschäftsidee mit geringerem Risiko zu testen, einen Kundenstamm aufzubauen und eine spätere hauptberufliche Gründung vorzubereiten.

Entscheidend bleibt deine konkrete Situation.

Ein Geschäftsmodell, das sich mit fünf Stunden pro Woche sinnvoll testen lässt, stellt andere Anforderungen als eines, für das du tagsüber erreichbar sein, größere Investitionen tätigen oder kontinuierlich vor Ort arbeiten musst.

Wann kann der Schritt in die hauptberufliche Selbstständigkeit interessant werden?

Vielleicht verändert sich die Situation, wenn dein Business bereits deutliche Nachfrage zeigt und deine verfügbare Zeit zunehmend zum Engpass wird.

Vielleicht hast du wiederkehrende Kunden, musst Aufträge ablehnen oder kannst wichtige Wachstumsaktivitäten nicht durchführen, weil dein Hauptjob den größten Teil deiner Woche beansprucht.

Dann hast du bereits andere Informationen als zu Beginn.

Du weißt mehr über deine Kunden.

Du kennst dein Angebot besser.

Du hast erste Erfahrungen mit Preisen, Akquise und tatsächlicher Nachfrage.

Zusammen mit deiner finanziellen Situation können diese Informationen eine Grundlage dafür sein, über den nächsten Schritt zu entscheiden.

Der richtige Zeitpunkt lässt sich trotzdem nicht auf eine bestimmte Umsatzhöhe oder Anzahl von Kunden reduzieren.

Er hängt davon ab, welches Risiko du tragen kannst, welche Sicherheit du brauchst und welche Voraussetzungen dein Business für den nächsten Entwicklungsschritt benötigt.

Nebenberuflich starten oder kündigen: Was passt zu deiner Situation?

Wenn du gerade zwischen beiden Möglichkeiten stehst, schau nicht nur darauf, welche Variante sich sicherer oder mutiger anfühlt.

Schau auf deine tatsächliche Situation.

Hast du deine Idee bereits mit echten Kunden getestet?

Weißt du, wie du Kunden gewinnst?

Ist fehlende Zeit gerade tatsächlich dein größter Engpass?

Kennst du deine privaten und geschäftlichen Mindestkosten?

Welche Rücklagen möchtest du haben?

Und gibt es zwischen Vollzeitjob und Kündigung eine Übergangslösung, die zu deiner Situation passt?

Du brauchst nicht möglichst viele Fragen zu beantworten. Entscheidend ist, herauszufinden, welche Informationen dir für genau diese Entscheidung noch fehlen.

Wenn du zwischen Sicherheit und Selbstständigkeit festhängst

Vielleicht hast du deine Geschäftsidee bereits getestet und denkst seit Monaten darüber nach, deinen Job zu reduzieren oder zu kündigen. Auf dem Papier gibt es gute Argumente für beide Seiten und trotzdem kommst du zu keiner klaren Entscheidung.

Im Coaching können wir deine konkrete Situation betrachten: Was spricht für den nächsten Schritt? Welche Risiken möchtest du vorher klären? Welche Rolle spielen Sicherheit, Verantwortung und deine persönlichen Vorstellungen davon, wie du arbeiten möchtest?

So kannst du eine Entscheidung entwickeln, die zu deiner Situation und deinen Zielen passt.

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Über Maria Ravariu

Life & Business Coach mit psychologischem Hintergrund

Ich begleite Menschen dabei, persönliche und berufliche Ziele zu klären, innere und äußere Hindernisse zu verstehen und konkrete Schritte in die Umsetzung zu bringen.

Meine Arbeit verbindet psychologisches Wissen mit einer fundierten Coaching-Ausbildung nach ICF-Standards und mehrjähriger Beratungs- und Berufserfahrung.

Schwerpunkte: berufliche Entscheidungen, Zielumsetzung, neue Führungsrollen, Selbstständigkeit, Veränderungsprozesse sowie innere Blockaden wie Unsicherheit, Perfektionismus und Angst vor Fehlentscheidungen.

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