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Bin ich für die Selbstständigkeit geeignet? Woran du es wirklich erkennen kannst

Von Maria Ravariu · Life & Business Coach · B.Sc. Psychologie

Vielleicht hast du eine Geschäftsidee, die dich schon länger beschäftigt.

Du kannst dir vorstellen, selbstständig zu arbeiten. Gleichzeitig fragst du dich:

Bin ich überhaupt für die Selbstständigkeit geeignet?

Vielleicht bist du nicht besonders extrovertiert. Verkaufen fällt dir schwer. Du möchtest keine großen finanziellen Risiken eingehen. Oder du weißt von dir, dass Struktur und Selbstorganisation nicht gerade deine größten Stärken sind.

Solche Zweifel solltest du nicht einfach mit „Das lerne ich schon“ abtun.

Selbstständigkeit bringt Anforderungen mit sich, die im Angestelltenverhältnis teilweise andere Menschen oder ganze Abteilungen übernehmen. Plötzlich bist du nicht nur für deine eigentliche Arbeit verantwortlich, sondern auch dafür, dass Kunden kommen, Rechnungen bezahlt werden, Entscheidungen getroffen werden und dein Unternehmen wirtschaftlich funktioniert.

Gleichzeitig muss niemand jede typische „Unternehmereigenschaft“ mitbringen.

Ob Selbstständigkeit zu dir passt, lässt sich deshalb nicht mit einem einfachen Persönlichkeitstest beantworten. Du musst genauer hinschauen: Was möchtest du aufbauen, was würde das im Alltag von dir verlangen und wie gut passt das zu dir?

Genau darum geht es in diesem Artikel.

Den einen Unternehmertyp gibt es nicht

Beim Wort „Unternehmer“ entsteht schnell ein bestimmtes Bild.

Selbstbewusst. Risikofreudig. Durchsetzungsstark. Gut im Verkaufen. Immer motiviert. Schnell in Entscheidungen.

Wenn du dich mit diesem Bild vergleichst, findest du wahrscheinlich ziemlich schnell Eigenschaften, die dir vermeintlich fehlen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger:

„Habe ich die richtige Persönlichkeit?“

Sondern:

„Was verlangt die Selbstständigkeit, die ich konkret aufbauen möchte?“

Selbstständigkeit kann sehr unterschiedlich aussehen

Ob Selbstständigkeit zu dir passt, hängt auch davon ab, was du konkret vorhast.

Eine selbstständige Grafikdesignerin kann von zu Hause arbeiten, mit relativ wenig Startkapital beginnen und zunächst einzelne Kunden gewinnen. Sie muss Aufträge akquirieren, Preise verhandeln, ihre Arbeit organisieren und damit umgehen können, dass nicht jeden Monat gleich viel Geld hereinkommt.

Wer ein Restaurant eröffnet, steht vor ganz anderen Herausforderungen. Hier geht es unter anderem um hohe laufende Kosten, Personal, Einkauf, Lieferanten, Hygienevorschriften, Öffnungszeiten und die Verantwortung dafür, dass genügend Umsatz entsteht, um diese Kosten zu tragen.

Und jemand, der eine Agentur mit zehn Mitarbeitenden aufbauen möchte, braucht wiederum andere Fähigkeiten als jemand, der dauerhaft allein als Freelancer arbeiten möchte.

Deshalb sagt die Frage „Bin ich risikofreudig?“ allein noch relativ wenig darüber aus, ob Selbstständigkeit zu dir passt.

Du musst dir anschauen, wie dein Arbeitsalltag tatsächlich aussehen würde.

Müsstest du jeden Monat neue Kunden gewinnen? Wie viel Geld müsstest du investieren? Würdest du allein arbeiten oder Verantwortung für Mitarbeitende tragen? Wie stark könnten deine Einnahmen schwanken? Welche Aufgaben würden jede Woche bei dir landen?

Je konkreter du dir deine eigene Selbstständigkeit anschaust, desto realistischer kannst du einschätzen, was davon zu dir passt und womit du wahrscheinlich Schwierigkeiten haben wirst.

Du musst nicht alles können, aber du trägst die Verantwortung

Eine der größten Veränderungen zwischen Anstellung und Selbstständigkeit ist, dass plötzlich Aufgaben bei dir landen, die vorher andere übernommen haben.

Du bist vielleicht hervorragend in deinem Fachgebiet und merkst nach der Gründung, dass fachliche Kompetenz nur ein Teil deiner Arbeit ist.

Plötzlich beschäftigst du dich mit Kundengewinnung und Verkauf, entwickelst Angebote, kalkulierst Preise und führst Kundengespräche. Du kümmerst dich um Marketing, Positionierung, Website und Sichtbarkeit. Gleichzeitig kommen Rechnungen, Buchhaltung, Steuern, Versicherungen, Verträge und andere organisatorische Aufgaben hinzu.

Du planst deine Einnahmen und Ausgaben, beobachtest deine Liquidität, entscheidest über Investitionen und musst einschätzen, welche Kosten du dir leisten kannst. Du organisierst deinen Arbeitsalltag, setzt Prioritäten und entscheidest selbst, was heute wichtig ist und was warten kann.

Je nach Geschäftsmodell kommen weitere Aufgaben dazu: Lieferanten auswählen, Kooperationen aufbauen, Dienstleister koordinieren, Beschwerden bearbeiten, technische Probleme lösen, Prozesse entwickeln oder später Mitarbeitende auswählen und führen.

Und während all das läuft, musst du dein eigentliches Produkt oder deine Dienstleistung weiterhin gut erbringen und beobachten, ob dein Geschäftsmodell wirtschaftlich funktioniert.

Nicht jede dieser Aufgaben musst du selbst erledigen. Buchhaltung, Website oder einzelne Marketingaufgaben kannst du beispielsweise teilweise an andere abgeben.

Die Verantwortung dafür, dass dein Unternehmen funktioniert, bleibt trotzdem bei dir.

Du musst entscheiden, welche Aufgaben wichtig sind, wen du dafür beauftragst, welche Kosten du tragen kannst und ob die Ergebnisse stimmen. Einige zentrale unternehmerische Aufgaben lassen sich auch nicht vollständig auslagern. Du wirst Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, Verantwortung für deine Finanzen übernehmen und dafür sorgen müssen, dass genügend Kunden und Umsatz entstehen.

Auch die IHK unterscheidet bei einer Gründung zwischen persönlichen, fachlichen und unternehmerischen Voraussetzungen. Fachlich gut in dem zu sein, was du anbietest, ist deshalb nur ein Teil der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit.

Es ist völlig normal, dass du am Anfang nicht alles kannst. Aber du solltest ehrlich hinschauen, was dir schwerfällt. Buchhaltung kannst du abgeben. Verkaufen kannst du lernen. Wenn du aber dauerhaft keine Kunden ansprechen möchtest, ungern Entscheidungen triffst, finanzielle Unsicherheit kaum aushältst oder Schwierigkeiten hast, dich selbst zu organisieren, kann das in der Selbstständigkeit zum echten Problem werden.

Genau solche Punkte solltest du ernst nehmen, wenn du herausfinden möchtest, ob Selbstständigkeit zu dir passt.

Was, wenn dir Verkaufen und Kundengewinnung schwerfallen?

Du bist fachlich gut. Menschen, die mit dir gearbeitet haben, sind zufrieden. Trotzdem fällt es dir schwer, über dein Angebot zu sprechen, potenzielle Kunden anzusprechen oder einen Preis zu nennen.

Für eine Selbstständigkeit kann das zu einem ernsthaften Problem werden.

Denn fachliche Kompetenz allein sorgt noch nicht dafür, dass genügend Menschen dein Angebot kaufen. Je nach Geschäftsmodell musst du Kunden gewinnen, dein Angebot verständlich kommunizieren, Preise vertreten und mit Absagen umgehen können.

Wie das konkret aussieht, kann sehr unterschiedlich sein. Manche Selbstständige gewinnen Kunden über persönliche Akquise, andere über Empfehlungen, Kooperationen, Inhalte, Werbung oder bestehende Netzwerke. Trotzdem muss am Ende ein funktionierender Weg entstehen, über den regelmäßig genügend zahlende Kunden kommen.

Wenn du Kundengewinnung heute schwierig findest, lohnt sich deshalb ein genauer Blick darauf, was dir konkret schwerfällt und wie relevant genau diese Aufgabe für dein Geschäftsmodell ist.

Fehlt dir bisher die Erfahrung? Weißt du noch nicht, wie Kundengewinnung funktioniert? Fällt es dir schwer, deinen Preis zu vertreten? Oder merkst du, dass du notwendige Verkaufsaktivitäten immer wieder vermeidest, obwohl du weißt, dass dein Business davon abhängt?

Diese Unterschiede sind wichtig.

Bestimmte Fähigkeiten lassen sich entwickeln und manche Aufgaben können teilweise anders organisiert oder unterstützt werden. Gleichzeitig wäre es unrealistisch anzunehmen, dass du alle unangenehmen unternehmerischen Aufgaben umgehen kannst.

Wenn dein Geschäftsmodell beispielsweise kontinuierliche aktive Akquise benötigt und du genau diese Tätigkeit dauerhaft nicht machen möchtest, ist das keine nebensächliche Schwäche. Es kann eine grundlegende Frage für die Tragfähigkeit deines Vorhabens sein.

Dann geht es darum, realistisch zu prüfen: Was verlangt mein Geschäftsmodell tatsächlich von mir und bin ich bereit, diese Anforderungen zu übernehmen oder einen tragfähigen anderen Weg dafür aufzubauen?

Wie gehst du damit um, wenn dir niemand sagt, was als Nächstes zu tun ist?

In einer Anstellung gibt es meistens einen gewissen Rahmen. Arbeitszeiten, Verantwortlichkeiten, Ziele, Kollegen, Führungskräfte und bestehende Prozesse geben Orientierung.

In der Selbstständigkeit musst du einen großen Teil dieser Struktur selbst schaffen.

Am Montagmorgen sagt dir niemand, ob du zuerst ein Kundenangebot fertigstellen, offene Rechnungen prüfen, Akquise machen oder deine Website überarbeiten solltest. Und niemand hält dich davon ab, drei Stunden an etwas zu arbeiten, das gerade angenehm ist, aber kaum etwas zum Umsatz beiträgt.

Gerade am Anfang kann das schwieriger sein, als es von außen aussieht.

Du musst Prioritäten setzen, auch wenn vieles gleichzeitig wichtig erscheint. Du musst Aufgaben erledigen, auf die du keine Lust hast. Oder Termine und Fristen im Blick behalten und deinen Arbeitstag organisieren, ohne dass jemand kontrolliert, ob du morgens anfängst oder eine unangenehme Aufgabe seit drei Wochen vor dir herschiebst.

Natürlich kann man dafür Strukturen schaffen. Feste Arbeitszeiten, Planungssysteme und klare Prozesse können helfen.

Wenn du aber weißt, dass du ohne äußeren Druck kaum ins Handeln kommst, wichtige Aufgaben regelmäßig aufschiebst oder Schwierigkeiten hast, selbst Prioritäten zu setzen, solltest du diesen Punkt ernst nehmen.

Denn in der Selbstständigkeit kann Aufschieben direkte Konsequenzen haben. Du antwortest einem Interessenten erst nach fünf Tagen und er entscheidet sich inzwischen für jemand anderen. Du schickst ein Angebot zu spät und der Auftrag geht an die Konkurrenz. Oder du vermeidest wochenlang die Akquise und merkst zwei Monate später, dass kaum neue Aufträge nachkommen. Du stellst Rechnungen verspätet und wartest entsprechend länger auf dein Geld. Oder du schiebst eine notwendige Preiserhöhung immer weiter auf und arbeitest monatelang zu einem Preis, der deine Kosten kaum deckt.

Was du heute aufschiebst, kann sich Wochen oder Monate später bei deinen Kunden, deinem Umsatz oder deiner Liquidität bemerkbar machen.

Selbstorganisation ist deshalb mehr als ein gut geführter Kalender.

Wie gehst du mit Unsicherheit um?

Selbstständigkeit bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen, ohne vorher zu wissen, ob sie funktionieren werden.

Du erhöhst deinen Preis und weißt nicht, wie Kunden reagieren.

Du investierst Geld in eine Website, Werbung oder Ausstattung und weißt nicht genau, wann sich diese Investition auszahlt.

Oder du entwickelst ein Angebot, von dem du überzeugt bist, und stellst möglicherweise fest, dass die Nachfrage geringer ist als erwartet.

Ein guter Monat kann auf einen schwachen Monat folgen. Ein wichtiger Kunde kann abspringen. Kosten können höher ausfallen als geplant.

Wie belastend solche Situationen für dich sind, hängt auch von deinem Leben außerhalb des Unternehmens ab.

Wer hohe monatliche Fixkosten hat, eine Familie versorgt oder kaum Rücklagen besitzt, erlebt schwankende Einnahmen möglicherweise ganz anders als jemand, der seine Lebenshaltungskosten für längere Zeit aus Ersparnissen decken könnte.

Deshalb reicht die Aussage „Ich bin eigentlich nicht besonders risikofreudig“ kaum aus.

Schau konkreter hin: Wie viel finanzielle und berufliche Unsicherheit würde deine geplante Selbstständigkeit tatsächlich mit sich bringen und wie würdest du damit leben?

Vielleicht stellst du fest, dass du mit einem bestimmten finanziellen Puffer gut damit umgehen könntest. Vielleicht möchtest du zunächst nebenberuflich starten. Oder vielleicht brauchst du ein Geschäftsmodell mit relativ gut planbaren Einnahmen.

Es kann aber auch sein, dass du merkst: Diese Form von Unsicherheit möchte ich dauerhaft nicht in meinem Leben haben.

Auch das ist eine wichtige Antwort.

Nicht jede Schwäche ist dasselbe

„Ich kann nicht verkaufen.“

„Ich bin schlecht mit Zahlen.“

„Ich bin nicht besonders organisiert.“

„Ich kann mit Ablehnung schlecht umgehen.“

„Ich treffe Entscheidungen viel zu langsam.“

Solche Aussagen solltest du weder sofort als Beweis dafür nehmen, dass Selbstständigkeit nichts für dich ist, noch mit „Das kann man alles lernen“ beiseiteschieben.

Es macht einen Unterschied, was genau dahintersteckt.

Vielleicht fehlen dir bei Zahlen hauptsächlich Kenntnisse über Kalkulation, Steuern und Buchhaltung. Wissen kannst du aufbauen und für bestimmte Aufgaben professionelle Unterstützung nutzen.

Wenn du dagegen seit Jahren Schwierigkeiten hast, deine Finanzen überhaupt im Blick zu behalten, regelmäßig Fristen verpasst und dich auch mit Unterstützung kaum damit beschäftigen möchtest, ist die Ausgangslage eine andere.

Ähnlich ist es bei Kundengewinnung.

Noch nie verkauft zu haben, ist etwas anderes, als über Monate jede notwendige Akquise zu vermeiden, obwohl dein Einkommen davon abhängt.

Auch Selbstorganisation, Entscheidungsfähigkeit oder der Umgang mit Ablehnung können sich entwickeln. Gleichzeitig solltest du nicht davon ausgehen, dass jede Schwierigkeit irgendwann automatisch verschwindet.

Schau deshalb möglichst konkret auf die Bereiche, die dir Sorgen machen.

Was fehlt dir heute hauptsächlich an Wissen oder Erfahrung? Was könntest du lernen? Welche Aufgaben könntest du sinnvoll abgeben? Und wo erkennst du Verhaltensweisen oder Bedürfnisse bei dir, die mit deinem geplanten Geschäftsmodell dauerhaft in Konflikt geraten könnten?

Coaching Fallbeispiel

Eine Klientin überlegte schon länger, sich mit ihrer fachlichen Expertise selbstständig zu machen.

Im Coaching sagte sie:

„Ich weiß nicht, ob ich überhaupt der Typ für Selbstständigkeit bin.“

Ich fragte:

„Was lässt dich daran zweifeln?“

Sie dachte kurz nach.

„Ich bin nicht besonders gut im Verkaufen. Ich brauche ziemlich viel Sicherheit. Und wenn ich sehe, wie andere Selbstständige auftreten, denke ich oft, dass ich dafür nicht selbstbewusst genug bin.“

Wir schauten genauer auf die Selbstständigkeit, die sie tatsächlich aufbauen wollte.

Ich fragte:

„Was davon würde dir in deinem eigenen Business konkret Schwierigkeiten machen?“

Beim Verkaufen wurde sie schnell konkreter. Über ihre fachliche Arbeit zu sprechen fiel ihr leicht. Einen Preis zu nennen und aktiv nach einem Auftrag zu fragen, vermied sie dagegen.

Beim Thema Sicherheit ging es vor allem um ihr Einkommen. Sie hatte hohe monatliche Fixkosten und wollte nicht über längere Zeit von ihren Rücklagen leben.

Beim Thema Selbstbewusstsein stellte sie dagegen fest, dass sie sich hauptsächlich mit Menschen verglich, die auf Social Media sehr präsent waren.

„Eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich so auftreten müsste“, sagte sie.

Wir gingen die Punkte einzeln durch.

Dabei wurde sichtbar, dass nicht alle Zweifel dasselbe Gewicht hatten. Ihre Vorstellung davon, wie sichtbar eine Selbstständige sein müsse, passte kaum zu ihrem tatsächlichen Geschäftsmodell. Ihre Schwierigkeiten beim Verkaufen und ihre finanziellen Anforderungen waren dagegen Punkte, die sie vor einer Gründung genauer prüfen musste.

Sie startete zunächst nebenberuflich, gewann erste zahlende Kunden und sammelte Erfahrungen mit genau den Bereichen, bei denen sie vorher unsicher gewesen war. Später entschied sie sich für den vollständigen Schritt in die Selbstständigkeit.

Heute arbeitet sie erfolgreich und gerne selbstständig. Entscheidend war nicht, dass ihre ursprünglichen Zweifel unbegründet waren. Sie hatte sie ernst genommen, konkret überprüft und auf dieser Grundlage ihre nächsten Schritte gewählt.

Selbstständigkeit muss auch zu deinem Leben passen

Du kannst fachlich geeignet sein und viele unternehmerische Fähigkeiten mitbringen. Trotzdem kann der Zeitpunkt oder die konkrete Form der Selbstständigkeit gerade schlecht zu deinem Leben passen.

Vielleicht möchtest du ein Unternehmen aufbauen, das in den ersten Jahren sehr viel Zeit benötigt, während du gleichzeitig kleine Kinder hast.

Vielleicht brauchst du für die Gründung einen hohen Kredit und hast bereits große finanzielle Verpflichtungen.

Oder vielleicht müsste dein Unternehmen in den ersten Monaten Verluste verkraften können, während du privat auf ein regelmäßiges Einkommen angewiesen bist.

Oder dein Geschäftsmodell verlangt regelmäßige Abendtermine und Wochenendarbeit, obwohl du genau diese Zeiten für deine Familie freihalten möchtest.

Das sind keine nebensächlichen Details.

Sie gehören zu der Frage, ob eine bestimmte Selbstständigkeit unter deinen aktuellen Bedingungen realistisch ist.

Manchmal ist die Geschäftsidee interessant, aber der Zeitpunkt ungünstig.

Manchmal muss das Geschäftsmodell verändert werden.

Und manchmal braucht es zuerst mehr Rücklagen, Erfahrung oder einen anderen Übergang aus der Anstellung.

Und manchmal kann die ehrliche Antwort auch sein, dass die geplante Form der Selbstständigkeit nicht zu dem Leben passt, das du führen möchtest.

Manche Antworten bekommst du erst, wenn du es ausprobierst

Du kannst monatelang darüber nachdenken, wie du als Selbstständiger wärst. Irgendwann stößt Nachdenken aber an eine Grenze.

Du weißt vielleicht erst, wie dir Kundengewinnung liegt, wenn du tatsächlich versucht hast, einen Kunden zu gewinnen.

Du weißt erst, wie es sich anfühlt, deinen Preis zu nennen, wenn dir ein echter Interessent gegenübersitzt.

Und du merkst möglicherweise erst beim Aufbau eines ersten Angebots, wie gut du damit umgehen kannst, wenn niemand dir sagt, was der nächste Schritt sein soll.

Im Coaching höre ich häufig: „Ich würde gerne anfangen, aber neben meinem Job habe ich keine Zeit.“

Manchmal stimmt das tatsächlich. Wer Vollzeit arbeitet, Kinder betreut oder andere Verpflichtungen hat, kann zeitlich stark ausgelastet sein.

Manchmal lohnt sich aber ein genauerer Blick.

Wenn wir genauer hinschauen, zeigt sich bei manchen Klienten, dass Zeit gar nicht das eigentliche Problem ist. Ein paar Stunden wären durchaus vorhanden. Schwieriger ist es, Prioritäten zu setzen, sich selbst zu organisieren oder tatsächlich anzufangen, statt den nächsten Schritt immer wieder zu verschieben.

Das ist für eine Selbstständigkeit nicht unwichtig. Denn gerade in der Aufbauphase kann eine Selbstständigkeit noch mehr Zeit und Organisation verlangen. Kunden müssen gewonnen, Angebote geschrieben, Rechnungen erstellt und Probleme gelöst werden. Manchmal bedeutet das auch, abends oder am Wochenende zu arbeiten.

Wenn du seit Monaten starten möchtest, aber nie Zeit dafür findest, frag dich deshalb ehrlich:

Fehlt mir tatsächlich die Zeit oder schaffe ich es bisher nicht, meinem Vorhaben genügend Priorität und einen festen Platz in meinem Alltag zu geben?

Vielleicht wartest du immer auf einen komplett freien Tag. Vielleicht verschiebst du die zwei Stunden, die du dir vorgenommen hast, jedes Wochenende wieder.

Dann kann sich bereits vor der Gründung ein Thema zeigen, das später ebenfalls wichtig sein wird: Selbstführung.

Bevor du also eine große Entscheidung triffst, probiere im Kleinen aus, wie du mit einigen Anforderungen der Selbstständigkeit tatsächlich umgehst.

Bin ich für die Selbstständigkeit geeignet? Mach den Realitätscheck

Wenn du diese Frage für dich beantworten möchtest, nimm nicht nur deine Persönlichkeit unter die Lupe. Nimm deine konkrete Geschäftsidee und prüfe fünf Bereiche.

1. Kunden gewinnen

Woher sollen deine ersten zehn Kunden kommen?

Nicht irgendwann, sondern ganz konkret: Empfehlungen, Akquise, Social Media, Google, dein bestehendes Netzwerk, Werbung oder etwas anderes?

Wenn du darauf noch keine Antwort hast, ist das kein Detail. Ohne Kunden gibt es kein tragfähiges Business.

2. Geld

Rechne aus, wie viel Geld du monatlich privat brauchst und welche Kosten durch deine Selbstständigkeit entstehen.

Dann rechne rückwärts: Wie viel Umsatz müsstest du ungefähr machen? Wie viele Kunden, Aufträge oder Verkäufe wären dafür notwendig? Und wie lange könntest du einen schwachen Monat finanziell auffangen?

So wird aus „Ich habe Angst vor finanzieller Unsicherheit“ eine konkrete Rechnung.

3. Zeit und Selbstorganisation

Plane für die nächsten vier Wochen feste Zeiten ein, in denen du an deinem Vorhaben arbeitest.

Nicht nur recherchieren oder weiter an der Idee feilen. Erledige Aufgaben, die dein Business tatsächlich voranbringen: mit potenziellen Kunden sprechen, ein Angebot erstellen, einen Preis festlegen oder einen ersten Verkaufsversuch machen.

Dann beobachte, was passiert. Hältst du deine eigenen Termine ein? Verschiebst du unangenehme Aufgaben? Wartest du darauf, dass jemand dir sagt, was als Nächstes sinnvoll wäre?

Das gibt dir mehr Informationen über deine Selbstführung als die Frage, ob du dich selbst für diszipliniert hältst.

4. Die unangenehmen Aufgaben

Schreib auf, welche Aufgaben in deinem Business regelmäßig anfallen würden und welche davon du am liebsten vermeiden würdest.

Akquise? Preise nennen? Buchhaltung? Entscheidungen treffen? Sichtbar werden? Beschwerden bearbeiten? Mitarbeitende führen?

Prüfe anschließend: Kannst du die Aufgabe lernen? Kannst du sie sinnvoll abgeben? Oder gehört sie so zentral zu deinem Geschäftsmodell, dass du dich dauerhaft damit beschäftigen müsstest?

5. Dein tatsächlicher Alltag

Stell dir nicht nur vor, wie es wäre, dein eigener Chef zu sein.

Stell dir einen normalen Dienstag vor.

Kunden sagen ab. Eine Rechnung wurde noch nicht bezahlt. Du musst eine Entscheidung treffen, obwohl dir Informationen fehlen. Gleichzeitig wartet ein Kunde auf deine Arbeit und für die nächste Woche fehlen noch Aufträge.

Möchtest du auch diesen Teil der Selbstständigkeit übernehmen?

Genau hier wird die Frage „Bin ich für die Selbstständigkeit geeignet?“ konkreter.

Du musst nicht versuchen, dich selbst in die Kategorie „Unternehmertyp“ oder „kein Unternehmertyp“ einzuordnen. Prüfe möglichst früh, wie du mit den tatsächlichen Anforderungen deines geplanten Geschäfts umgehst.

Je mehr davon du vor einer großen Entscheidung bereits in kleinem Rahmen ausprobierst, desto weniger musst du deine Entscheidung auf Vermutungen über dich selbst stützen.

Wenn du herausfinden möchtest, ob Selbstständigkeit zu dir passt

Wenn du herausfinden möchtest, ob Selbstständigkeit zu dir passt

Vielleicht hast du durch diesen Artikel schon einige Punkte gefunden, die du für dich genauer anschauen möchtest. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei und vor allem den Mut, deine Antworten ehrlich zu prüfen.

Und falls du an einem Punkt merkst, dass du dich mit denselben Gedanken immer wieder im Kreis bewegst, nicht zu einer Entscheidung kommst oder bei einem bestimmten Thema festhängst, lass uns deine konkrete Situation gerne gemeinsam im Coaching anschauen.

Ich höre genau hin, frage nach und greife auch Widersprüche oder Zusammenhänge auf, die im Gespräch sichtbar werden.

Manchmal hilft eine Perspektive von außen, schneller Klarheit zu bekommen und sich dadurch unnötige Umwege, Zeit, Nerven und möglicherweise auch Geld zu sparen.

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Über Maria Ravariu

Life & Business Coach mit psychologischem Hintergrund

Ich begleite Menschen dabei, persönliche und berufliche Ziele zu klären, innere und äußere Hindernisse zu verstehen und konkrete Schritte in die Umsetzung zu bringen.

Meine Arbeit verbindet psychologisches Wissen mit einer fundierten Coaching-Ausbildung nach ICF-Standards und mehrjähriger Beratungs- und Berufserfahrung.

Schwerpunkte: berufliche Entscheidungen, Zielumsetzung, neue Führungsrollen, Selbstständigkeit, Veränderungsprozesse sowie innere Blockaden wie Unsicherheit, Perfektionismus und Angst vor Fehlentscheidungen.

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