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Bin ich zu teuer? Woran du erkennst, ob dein Preis wirklich zu hoch ist

Von Maria Ravariu · Life & Business Coach · B.Sc. Psychologie

Ein Interessent sagt ab.

Ein anderer meldet sich nach deinem Angebot nicht mehr.

Und plötzlich ist der Gedanke da:

„Vielleicht bin ich einfach zu teuer.“

Also schaust du dir deine Preise noch einmal an. Du vergleichst dich mit anderen Anbietern. Vielleicht überlegst du sogar, beim nächsten Angebot direkt etwas weniger zu verlangen.

Doch was weißt du eigentlich wirklich?

Eine Absage kann mit deinem Preis zusammenhängen. Sie kann genauso mit dem Budget des Kunden, dem Zeitpunkt, dem Angebot, der Priorität des Problems oder etwas ganz anderem zusammenhängen.

Bevor du deinen Preis veränderst, lohnt sich deshalb eine andere Frage:

Welche konkreten Hinweise habe ich darauf, dass mein Preis tatsächlich zu hoch ist?

Wann ist ein Preis überhaupt „zu hoch“?

Ein Preis existiert nie für sich allein.

500 Euro können für eine Leistung teuer und für eine andere erstaunlich günstig sein. Auch dass ein Wettbewerber weniger verlangt, sagt für sich genommen wenig aus.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus deinem Angebot, dem Nutzen für den Kunden, deiner Zielgruppe, dem Markt und deinem Geschäftsmodell.

Deshalb lässt sich die Frage „Bin ich zu teuer?“ selten anhand einer einzelnen Zahl beantworten.

Du brauchst Informationen.

Und genau hier wird es interessant: Manchmal liegen diese Informationen tatsächlich vor. Manchmal entsteht die Schlussfolgerung „Ich bin zu teuer“ wesentlich schneller als die Fakten.

1. Ein Kunde sagt „zu teuer“

Das ist zunächst eine Information.

Für diesen Kunden war dein Angebot zu diesem Preis in dieser Situation nicht attraktiv genug.

Mehr weißt du erst einmal nicht.

Vielleicht hatte er ein anderes Budget. Vielleicht war ihm das Problem nicht wichtig genug. Vielleicht hat er sich für einen günstigeren Anbieter entschieden. Vielleicht hat er den Nutzen deiner Leistung nicht verstanden.

Und natürlich kann es auch sein, dass dein Preis im Verhältnis zu deinem Angebot tatsächlich zu hoch war.

Spannend wird es deshalb erst, wenn du mehrere Situationen betrachtest.

Wenn dir passende Interessenten unabhängig voneinander immer wieder dieselbe Rückmeldung geben, entsteht ein Muster, das du ernst nehmen solltest.

Eine einzelne Reaktion ist dagegen noch keine Marktanalyse.

2. Mehrere passende Interessenten springen am Preis ab

Stell dir vor, du führst zehn Gespräche mit Menschen, die grundsätzlich gut zu deinem Angebot passen.

Sie verstehen, was du anbietest. Sie haben ein Problem, das du lösen kannst. Sie zeigen echtes Interesse.

Und sechs von ihnen sagen ausdrücklich:

„Das Angebot passt, aber dieser Preis liegt deutlich über meinem Budget.“

Das ist eine andere Ausgangslage als eine einzelne Absage.

Hier lohnt sich eine genauere Prüfung.

Passt deine Zielgruppe zu deinem Preis? Ist der Nutzen deines Angebots klar genug? Entspricht dein Angebot dem, was Kunden für diesen Preis erwarten? Wie positionieren sich vergleichbare Anbieter?

Vielleicht stellst du anschließend fest, dass dein Preis angepasst werden sollte.

Vielleicht entdeckst du aber auch etwas anderes: Du sprichst regelmäßig mit einer Zielgruppe, die dein Angebot grundsätzlich möchte, aber nicht über das entsprechende Budget verfügt.

Dann könnte das Problem an einer anderen Stelle liegen als bei der Zahl auf deinem Angebot.

3. Du vergleichst dich mit anderen und findest deutlich niedrigere Preise

Du verlangst 1.500 Euro.

Ein anderer Anbieter verlangt 700 Euro.

Bist du damit zu teuer?

Vielleicht.

Bevor du deinen Preis veränderst, solltest du allerdings genauer hinschauen.

Was ist tatsächlich enthalten? Welche Zielgruppe wird angesprochen? Welche Erfahrung und Spezialisierung bringt der Anbieter mit? Wie intensiv ist die Zusammenarbeit? Welches Ergebnis wird angeboten?

Zwei Angebote können ähnlich heißen und trotzdem kaum vergleichbar sein.

Genauso solltest du nicht nur nach dem günstigsten Anbieter suchen.

Wenn zehn vergleichbare Anbieter zwischen 600 und 900 Euro verlangen und dein Angebot bei 2.500 Euro liegt, ist das eine relevante Information.

Sie bedeutet noch nicht automatisch, dass dein Preis falsch ist. Aber du solltest erklären können, wodurch der Unterschied entsteht und warum deine Zielgruppe bereit sein könnte, ihn zu bezahlen.

4. Du selbst würdest deinen Preis niemals bezahlen

Dieser Gedanke kann sehr überzeugend sein:

„Ich würde dafür niemals 2.000 Euro ausgeben. Warum sollte es jemand anderes tun?“

Doch bist du überhaupt dein eigener idealer Kunde?

Vielleicht hast du ein anderes Einkommen. Andere Prioritäten. Ein anderes Problem. Andere Alternativen.

Ein Unternehmen kann beispielsweise mehrere Tausend Euro für eine Dienstleistung ausgeben, wenn dadurch Zeit gespart, Umsatz erzielt oder ein relevantes Problem gelöst wird.

Eine Privatperson bewertet dieselbe Summe möglicherweise völlig anders.

Deshalb ist deine persönliche Zahlungsbereitschaft nur dann besonders relevant, wenn du deiner Zielgruppe tatsächlich sehr ähnlich bist.

Sonst besteht die Gefahr, dass du deine eigenen finanziellen Maßstäbe auf Menschen überträgst, die eine andere Situation haben.

5. Menschen kaufen dein Angebot zu deinem aktuellen Preis

Dieser Punkt wird beim Zweifeln erstaunlich leicht übersehen.

Vielleicht denkst du nach zwei Absagen:

„Mein Preis funktioniert nicht.“

Gleichzeitig haben in den vergangenen Monaten mehrere Kunden genau diesen Preis bezahlt.

Das bedeutet nicht, dass dein Preis automatisch optimal ist.

Aber diese Information gehört genauso in deine Bewertung wie die Absagen.

Wenn du herausfinden möchtest, ob dein Preis funktioniert, solltest du deshalb nicht nur die Situationen betrachten, die deine Zweifel bestätigen.

Schau dir das gesamte Bild an.

Wer hat gekauft?

Wer hat abgelehnt?

Welche Gründe wurden tatsächlich genannt?

Wie oft wurde über den Preis verhandelt?

Welche Kunden passen besonders gut zu deinem Angebot?

Erst daraus entsteht ein Bild, mit dem du arbeiten kannst.

Ein Beispiel aus dem Coaching

Eine selbstständige Beraterin kam mit diesem Thema ins Coaching:

„Ich überlege, meinen Preis von 2.400 auf 1.800 Euro zu senken.“

In den vergangenen Wochen hatte sie mehrere Gespräche geführt. Vier Interessenten hatten ihr Angebot abgelehnt. Einer hatte ausdrücklich gesagt, dass ihm 2.400 Euro zu viel seien. Gleichzeitig hatte sie gesehen, dass eine andere Beraterin eine ähnliche Leistung deutlich günstiger anbot.

Sie sagte:

„Vielleicht habe ich mich einfach überschätzt.“

Ich fragte:

„Was beschäftigt dich daran gerade am meisten?“

„Dass ich nicht weiß, ob ich vernünftig auf den Markt reagiere oder aus Angst meinen Preis senke.“

Damit waren wir bei ihrer eigentlichen Frage.

Sie erzählte, dass sie momentan neue Kunden brauchte. Mit jedem Gespräch, aus dem kein Auftrag entstand, wurde der Impuls stärker, beim nächsten Interessenten weniger zu verlangen.

Gleichzeitig sagte sie:

„Wenn ich jetzt auf 1.800 gehe und nächste Woche jemand sofort bucht, weiß ich trotzdem nicht, ob 2.400 zu viel waren.“

Ich fragte:

„Was möchtest du wissen, bevor du eine Entscheidung über deinen Preis triffst?“

Sie begann dann zu unterscheiden.

Sie wollte wissen, wie häufig der Preis tatsächlich der Grund für eine Absage war. Sie wollte genauer vergleichen, ob die günstigeren Angebote wirklich denselben Umfang hatten. Und sie wollte prüfen, welchen Preis sie langfristig brauchte, damit sich ihre Arbeit wirtschaftlich für sie trug.

Dann sagte sie:

„Ich merke gerade, dass ich meinen Preis senken will, damit endlich wieder jemand Ja sagt. Aber das beantwortet meine Frage eigentlich gar nicht.“

Am Ende entschied sie sich noch nicht für einen neuen Preis. Sie wollte zunächst die Informationen sammeln, die ihr bisher fehlten, und danach entscheiden.

Mach aus einzelnen Reaktionen noch kein Urteil über deinen Preis

Unser Blick richtet sich leicht auf Informationen, die zu einer bestehenden Sorge passen.

Wenn du ohnehin befürchtest, zu teuer zu sein, kann eine Absage enorme Bedeutung bekommen.

Drei Zusagen wirken dann selbstverständlich.

Eine Absage beschäftigt dich den ganzen Abend.

Genau deshalb lohnt es sich, deine Preisentscheidung nicht unmittelbar nach einem einzelnen Gespräch zu treffen.

Sammle zunächst Informationen.

Du kannst beispielsweise über einen bestimmten Zeitraum festhalten:

Wie viele passende Interessenten hatte ich?

Wie viele haben gekauft?

Wie viele haben abgelehnt?

Bei wie vielen war der Preis nachweislich der Grund?

Welche anderen Gründe wurden genannt?

So wird aus dem diffusen Gefühl „Die Leute finden mich zu teuer“ eine überprüfbare Frage.

Vier Situationen, vier unterschiedliche Schlussfolgerungen

Stell dir vor, du bekommst vier verschiedene Rückmeldungen.

Situation 1: Ein Interessent sagt: „Das kann ich mir momentan nicht leisten.“

Das sagt zunächst etwas über sein Budget aus.

Situation 2: Mehrere passende Interessenten sagen unabhängig voneinander, dass dein Angebot interessant ist, der Preis im Verhältnis zum Leistungsumfang aber deutlich zu hoch erscheint.

Das solltest du genauer prüfen.

Situation 3: Ein Interessent entscheidet sich gegen dein Angebot und nennt keinen Grund.

Du weißt nicht, ob der Preis ausschlaggebend war.

Situation 4: Du hast noch kaum Angebote gemacht, bist aber bereits überzeugt, dass niemand diesen Preis bezahlen wird.

Hier fehlt dir vor allem reale Information.

Gerade diese Unterscheidungen können verhindern, dass du auf jedes Nein mit einer Preisänderung reagierst.

Vielleicht ist dein Preis tatsächlich zu hoch

Auch das ist möglich.

Es geht nicht darum, jeden Preis mit mehr Selbstvertrauen zu verteidigen.

Wenn deine Daten, Kundengespräche und Marktbeobachtungen darauf hindeuten, dass dein Angebot für deine Zielgruppe zu diesem Preis nicht funktioniert, solltest du das ernst nehmen.

Vielleicht veränderst du den Preis.

Vielleicht veränderst du das Angebot.

Vielleicht sprichst du eine andere Zielgruppe an.

Vielleicht musst du deutlicher zeigen, welchen Nutzen deine Leistung bietet.

Die entscheidende Frage ist, worauf du deine Entscheidung stützt.

Auf wiederkehrende reale Informationen?

Oder auf die Befürchtung, dass andere deinen Preis möglicherweise zu hoch finden könnten?

Was, wenn die Fakten für deinen Preis sprechen und du trotzdem zweifelst?

Dann wird die Frage psychologisch interessanter.

Vielleicht hast du Kunden, die deinen Preis bezahlen. Deine Kalkulation ist nachvollziehbar. Dein Angebot funktioniert.

Und trotzdem möchtest du bei jeder Absage wieder alles infrage stellen.

Dann lohnt es sich, nicht zum zehnten Mal nur die Zahl zu überprüfen.

Was macht ein Nein für dich so bedeutsam?

Warum wiegt eine Absage möglicherweise schwerer als mehrere Zusagen?

Was würde es für dich bedeuten, wenn jemand tatsächlich sagt: „Das ist mir zu teuer“?

Und welche Schlussfolgerung ziehst du daraus über dein Angebot oder vielleicht sogar über dich selbst?

An dieser Stelle geht es irgendwann weniger um die mathematische Frage, welcher Preis richtig ist, und mehr darum, wie du mit Unsicherheit, Ablehnung und deiner eigenen Bewertung deiner Arbeit umgehst.

Wenn du bei deinem Preis immer wieder ins Zweifeln kommst

Vielleicht hast du deinen Preis längst kalkuliert und bekommst trotzdem nach jeder Absage den Impuls, ihn wieder infrage zu stellen.

Dann kann es hilfreich sein, genauer zu betrachten, welche Informationen tatsächlich vorliegen und was du selbst daraus machst.

Falls du merkst, dass du dabei immer wieder an denselben Punkt kommst, lass uns deine konkrete Situation gerne gemeinsam im Coaching anschauen.

Wenn es für dein Anliegen relevant ist, können wir dabei auch tiefer gehen. Hier fließt meine Erfahrung mit IoPT in meine Arbeit ein und ermöglicht uns, Zusammenhänge einzubeziehen, die dir bisher vielleicht nicht bewusst waren.

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Über Maria Ravariu

Life & Business Coach mit psychologischem Hintergrund

Ich begleite Menschen dabei, persönliche und berufliche Ziele zu klären, innere und äußere Hindernisse zu verstehen und konkrete Schritte in die Umsetzung zu bringen.

Meine Arbeit verbindet psychologisches Wissen mit einer fundierten Coaching-Ausbildung nach ICF-Standards und mehrjähriger Beratungs- und Berufserfahrung.

Schwerpunkte: berufliche Entscheidungen, Zielumsetzung, neue Führungsrollen, Selbstständigkeit, Veränderungsprozesse sowie innere Blockaden wie Unsicherheit, Perfektionismus und Angst vor Fehlentscheidungen.

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